Presseagentin Henriette Gallus hat Philosophie und Literatur studiert © Julian Röder/Ostkreuz

Gefallen muss ein Cover nicht nur Wolfgang Farkas und seinen Verlagskollegen, sondern auch den Vertretern, die es wiederum den Buchhändlern empfehlen. Letztere entscheiden, ob sie ein Buch in ihr Sortiment aufnehmen oder nicht. Blumenbar-Bücher liegen inzwischen in fast 4000 Buchhandlungen – in Liebhaberläden, die noch Titel aus dem vorigen Jahr vorrätig halten, aber auch in den Filialen der ein oder anderen Kette. "Natürlich liegen einem als kleinem Verlag die kleineren Buchhandlungen näher", sagt Farkas. "Aber die großen sind einfach wichtig." Das ist milde ausgedrückt: Thalia, Mayersche und Konsorten haben in den letzten zehn Jahren ihren Marktanteil auf fast 30 Prozent gesteigert, während 800 der vorher fast 5000 eigenständigen Buchhändler in derselben Zeit ihre Türen schließen mussten. Ein Buch, das von den Ketten abgelehnt wird, hat kaum Chancen, ein Bestseller zu werden. Der Blumenbar Verlag hatte Glück: Aus Sympathie nahm die Hugendubel-Filiale am Münchner Marienplatz bereits seinen ersten Titel sofort ins Sortiment.

Nicht nur die Buchhändler, auch die Journalisten bekommen ein Buch oft schon zu sehen, bevor es fertig ist. Henriette Gallus hat die Pressevorschau des Verlags, einen bunten Katalog mit allen Neuerscheinungen dieses Herbstes, bereits an Feuilletonredakteure in ganz Deutschland verschickt. Die bestellen bei ihr, was sie lesen wollen – und, wie Gallus hofft, dann auch in ihren Zeitungen rezensieren. Wen sie kennt, den ruft sie an, um ihm das Buch persönlich ans Herz zu legen, und die 26-Jährige kennt inzwischen einige.

Gallus hat Literatur und Philosophie in Berlin studiert und währenddessen an mehreren Tagen pro Woche für die Literaturagentur Simon auf Literaturbühnen und Poetry-Slams nach Talenten gesucht. Die Besten hat sie gegen Provision an Verlage vermittelt. Anfangs sei das nicht leicht gewesen, erzählt sie, sie habe sich ihre Reputation bei den alteingesessenen Lektoren erst erarbeiten müssen. Aber wer die Begeisterung in ihrer leisen Stimme hört, wenn sie über Literatur spricht, zweifelt nicht daran, dass ihr das gelungen ist.

Ein Praktikum bei einer Agentur ist ein guter Einstieg in die Verlagsbranche, da man den Alltag in der Branche kennenlernt und erste Kontakte knüpft. Ein Volontariat ist neben dem geisteswissenschaftlichen Studium sowohl für angehende Presseagenten als auch für Lektoren die Standardvoraussetzung. Wer Lektor werden möchte, braucht ein Gespür für Texte; für die Pressearbeit ist neben dem Interesse für die Bücher eines Verlags auch die Freude am Kommunizieren wichtig. Lektoren können sich auch selbstständig machen – nicht nur Buchverlage, sondern auch Unternehmen oder Werbeagenturen nehmen ihre Dienste in Anspruch. Wie die Designer müssen allerdings auch sie gut kalkulieren und verhandeln. "Mit einem durchschnittlichen Jahresgewinn von 17.000 Euro kann man kaum fürs Alter vorsorgen", sagt Susanne Schmidt vom Verband der freien Lektorinnen und Lektoren. Lektorat und Pressearbeit zu verbinden wie Gallus, die nebenbei eine Sammlung von Kurzgeschichten redigiert, ist wiederum nur bei kleinen Verlagen möglich, die keine eigene Abteilung für jedes Ressort haben.

Um die Veranstaltungen kümmert sich Gallus ebenfalls, zusammen mit ihren Kollegen. Sie organisiert den Raum, legt den Ticketpreis fest, und manchmal räumt sie auch hinterher die Stühle ab. Wenn Liebe ist ein Heckenschütze auf der Buchmesse präsentiert wird, soll Lola Arias singen, und vielleicht wird es sogar ein bisschen Theater geben vor der Wand mit den schießenden Mädchen. Veranstaltungen sind wichtig – sie ziehen Publikum an und auch den ein oder anderen neuen Autor.

Schon länger träumt Wolfgang Farkas von einer kleinen deutschlandweiten Kette von Blumen-Bars, schön gestalteten Kulturräumen, in denen man zu seinem Kaffee ein Buch aus dem Regal nehmen und später kaufen kann und wo es am Abend auch Drinks und Musik gibt. Der Verlag soll zum Treffpunkt werden für eine Community, die sich nicht im Internet, sondern im wahren Leben über Literatur und all die anderen schönen Künste unterhalten will, so wie ganz zu Anfang bei den Literatursalons in Farkas Wohnung.

Es ist ein ambitionierter Traum in einer Zeit, in der Pessimisten den Untergang des papierenen Buches zugunsten von Kindle, iPad und dergleichen prophezeien und in der sich besonders die großen Verlage fragen, ob sie weiterhin auf das Buch als Massenware setzen können, oder ob sich ein 08-/15-Krimi nur noch als Computerdatei im Internet verkaufen lässt. Noch ist Farkas Verlag nicht so weit, dass seine finanzielle Zukunft für mehrere Jahre gesichert wäre. Aber wenn man sich den Erfolg von Blumenbar ansieht, kann man sich vorstellen, dass sogar der Traum von der Salonkette wahr werden kann.