Denken wir uns einmal eine große Firma, in der ein Praktikant mehrere, vielleicht fünf oder sechs Abteilungen durchläuft – es wäre seltsam unangemessen, fast ein Zeugnis von Größenwahn, wenn er zum Ende seines Praktikums eine Büroparty veranstaltete. Es sähe so aus, als glaubte er wirklich, dass sich alle, mit denen er je zu tun gehabt hatte, seiner erinnerten und wehmütig Abschied nehmen wollten. Und wenn er tatsächlich bekannt geworden wäre wie ein bunter Hund, dann läge noch immer der Verdacht nahe, dass es schon vorher an der gebotenen Zurückhaltung gefehlt hätte.

Ganz anders liegt der Fall in einer kleinen Firma oder bei einem Praktikum, das nur in einer, vielleicht fast familiären Abteilung verbracht wurde. Hier wäre ein Abschied ohne Fest im Gegenteil ein großer Affront. Es empfiehlt sich allerdings auch dort, nach den Gepflogenheiten zu fragen. Selbst gebackener Kuchen zum Beispiel lässt nicht überall die Wertschätzung steigen. Als ich zum Ende meiner Hospitanz bei der Frankfurter Allgemeinen Zeitung mehrere Bleche Pflaumenkuchen servierte, wurde dieser zwar gerne gegessen – aber vielleicht auch zu gerne, denn der Feuilletonchef verabschiedete mich mit den Worten, dies sei der beste Artikel, den ich bisher abgeliefert hätte.

Ich war gekränkt, aber auch nicht so entmutigt, dass ich mein nächstes Praktikum bei einer Bäckerei versucht hätte. Vielmehr verzichtete ich in Zukunft auf Praktika, und bei den festen Stellen, die ich später antrat, kehrte sich das Ritual um: Jetzt hat nicht mehr der Gehende, sondern die Firma das Abschiedsfest auszurichten. Wie sich dies gestaltet, hängt natürlich von dem Maß des Bedauerns ab. Wer in Unfrieden scheidet, darf nicht auf mehr als ein heimliches Besäufnis mit den letzten Getreuen hoffen, vielleicht am Rande des Fuhrparks oder am Kiosk gegenüber.

Es kann aber auch rauschende Abschiedsfeste geben, bei denen Chefs, von denen sich der Scheidende bisher missbilligt fühlte, plötzlich Tränen der Rührung (hoffentlich nicht der Erleichterung) zeigen. Ein solches habe ich bei der Berliner Zeitung erlebt. Es erschütterte den Abschiednehmenden derart, dass er noch selbigen Abends erwog, vielleicht doch zu bleiben oder jedenfalls bald wiederzukommen. Er hat es wenige Tage später tatsächlich getan. Selbstredend gab es ein Willkommensfest, das der Abschiedsparty in nichts nachstand. Einige Kollegen argwöhnten, dass es in diesem Fall überhaupt nur um die Inszenierung großer Gefühle und großer Partys ging.

Solche Erwartungen sollte der Praktikant nicht hegen. Es kann aber auch ihm geschehen, dass er in den Genuss unerwarteter Sympathiebekundungen, wertvoller Telefonnummern oder großzügiger Förderungsangebote kommt. Für solche Wertschätzungsbeweise ist die Abschiedsparty wahrscheinlich überhaupt der einzig denkbare Ort– deswegen sei sie jedem empfohlen, der sie einigermaßen schicklich veranstalten zu können glaubt.