Der Doktorvater

Die gute Nachricht lautet: In der Wissenschaft kann man sich seine Eltern aussuchen! Die schlechte: Eine falsche Wahl kann die Promotion zur Qual machen – oder sogar scheitern lassen. Zu wenig Betreuung und persönliche Probleme mit dem Doktorvater oder der Doktormutter gehören laut einer Studie des Doktoranden-Netzwerks Thesis zu den häufigsten Gründen für einen Abbruch.

Der Richtige fürs Thema

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Allein nach Sympathie sollte bei der Suche nach dem Betreuer niemand gehen. »Im ersten Schritt macht man Wissenschaftler ausfindig, die sich mit dem Wunschthema auskennen«, sagt Norman Weiss vom Doktoranden-Netzwerk Thesis: »Welche Bücher haben die Profs geschrieben? Organisieren sie Konferenzen?« Einige Lehrstühle vergeben selbst Themen. Dann sollte man in Erfahrung bringen, welche Methoden der Professor favorisiert. Bei Graduiertenschulen entscheidet ein Betreuerteam, welcher Nachwuchsforscher bei ihnen angenommen wird.

Der Richtige für die Karriere

Ein wichtiger Aspekt für die Entscheidung ist, ob man später lieber in die Wissenschaft oder in die Wirtschaft will. Einige Hochschullehrer haben sehr gute Kontakte zu Unternehmen, andere sind in ihrem Fach bekannte Größen und sehr gut vernetzt – Faktoren, die auch für den Werdegang der Doktoranden später wichtig werden können.

Die anderen Doktoranden

Es ist in jedem Fall ratsam, vor der Entscheidung für einen Prof oder eine Professorin andere Doktoranden anzusprechen und auszufragen: Wie gut fühlen sie sich betreut? Wie lange dauert die Promotion normalerweise an diesem Lehrstuhl? Werden sie über Gebühr mit Arbeit belastet, die mit der Promotion nichts zu tun hat?

Überzeugungsarbeit

Wer seinen Wunschbetreuer gefunden hat, muss ihn für sein Vorhaben gewinnen. Üblicherweise geht man dafür in die Sprechstunde. »Manchmal ist es auch möglich, den Prof auf einer Konferenz anzusprechen«, sagt Weiss. Ganz Mutige könnten versuchen, mit einem Vortrag auf einer Tagung anzutreten und so die Aufmerksamkeit zu erhöhen. Die Überzeugungsarbeit gelingt leichter mit einem maximal fünfseitigen Exposé.

Promotionsvereinbarung

Solche Vereinbarungen enthalten Fristen für die Arbeit und Absprachen über den Umfang der Betreuung. Sie sind an deutschen Unis meist keine Pflicht und natürlich keine Garantie für eine erfolgreiche Promotion, haben aber Signalcharakter: Auch der Betreuer hat Pflichten. Wenn der Prof einen als Doktoranden akzeptiert, sich aber weigert, eine Promotionsvereinbarung zu unterschreiben, sollte man misstrauisch werden.

Das Netzwerk

Am Ende seines Studiums nahm Benjamin Bigl all seinen Mut zusammen: Der Leipziger Medienwissenschaftler stellte seine Magisterarbeit auf einer Konferenz vor. Nervös sei er schon gewesen, aber es habe sich gelohnt: »Da kamen viele Kollegen mit Fragen und Hinweisen. Und meinen Namen haben sich einige gemerkt.«

Kennenlernen am Buffet

Inzwischen promoviert Bigl über Computerspiele und ist Vorsitzender des Promovierendenrates in Leipzig. Anderen Jungforschern rät er, Konferenzen oder Vorträge zu nutzen. »Manchmal gibt es dort sogar Nachwuchspanels.« Um Anschluss zu finden, eigneten sich auch Gespräche am Buffet. »Gut sind Orte, an denen alle etwas lockerer sein können.«

Zu fragen wagen

Wer nicht den Mut hat, selbst einen Vortrag zu halten, kann mit einer guten Frage auf sich aufmerksam machen. Wenn Markus Fischmann nach einem Vortrag seinen Laptop einpackt, stürmt manchmal gleich ein ganzer Pulk von Studenten auf ihn zu. Fischmann, Professor für Mediendesign in Hannover, ist dann nicht genervt – im Gegenteil. »Nach einem Vortrag hat man oft noch Rede- bedürfnis«, sagt er. Sein Tipp: »Wer mir ein Projekt vorstellen will, sollte das Ganze auf einer DIN-A4-Seite zusammengefasst dabeihaben.«

Kontakte inklusive

An Graduiertenschulen bekommen Doktoranden ihr Netzwerk durch den großen Betreuer- und Dozentenkreis quasi mitgeliefert. Andererseits sind die Jungforscher dort nicht so eingebunden, wie sie es als Mitarbeiter am Lehrstuhl einer Uni wären. »Die richtige Wissenschaftler-Welt bleibt oft außen vor«, gibt Norman Weiss von Thesis zu bedenken. Es fehle dann beispielsweise Erfahrung in der Lehre oder in einem Ausschuss des Fachbereichs – auch dort entstünden schließlich Kontakte.

Online sein

»Als Netzwerk ist Xing inzwischen bei Wissenschaftlern sehr verbreitet«, sagt Weiss. Zudem hilft es meist, Mitglied in einer Stiftung zu sein. Für alle Onlineaktivitäten gilt: seriös bleiben und sich eine entsprechende E-Mail-Adresse zulegen. Mit "kuschelbaerchen" in der Mail-Adresse dürfte es zumindest schwierig werden.

Mehr erfahren:

Aus Ratgebern: Ansgar Nünning (Hrsg.), Handbuch Promotion, J. B. Metzler, 426 Seiten, 24,95 Euro; Steffen Stock (Hrsg.), Erfolgreich promovieren, Springer-Verlag, 374 Seiten, 24,95 Euro.

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