Das Tablett an vollen Mensatöpfen vorbeischieben, zwischen verschiedenen Gerichten wählen, das ist nicht selbstverständlich. An der FH Ottersberg stehen Studenten manchmal mit knurrendem Magen vor der geschlossenen Mensa. Hier sind sie nämlich selbst für das Mittagessen zuständig– doch nicht immer ist auf die Küchenhelfer Verlass. Anna-Lena Hilgemann studiert im neunten Trimester und findet es ärgerlich, dass sich manche vor der Arbeit drücken.

Seit über 20 Jahren kochen die Studenten an der FH selbst, in Deutschland ist dieses Projekt einzigartig. »Es ist aus der Not geboren«, erklärt Ikky Bülow, die einzige fest angestellte Köchin: »Die finanziellen Mittel für eine Mensa mit mehreren Angestellten sind einfach nicht vorhanden.«

Eine Gruppe von rund 25 Leuten muss sich jeweils eine Woche lang um das Essen für rund 120 Kommilitonen und Dozenten kümmern, sich mit der Spülstraße und den riesigen Kochpfannen einer Großküche auseinandersetzen. Neben Seminaren und Prüfungen damit also noch eine Pflicht mehr, die auf dem Studienplan steht. Scheine fürs Kochen will die Fachhochschule nicht einführen, das Konzept lebt von der Freiwilligkeit. Und das klappt eben nicht immer: Zwar sind die Kochdienste zeitlich mit den Pflichtveranstaltungen abgestimmt, aber manchmal fällt doch eine Exkursion in die Kochwoche, oder jemand wird krank.

Manche essen nicht in der Mensa und wollen deshalb nicht mithelfen. »Ein oder zwei, die sich raushalten, sind immer dabei«, sagt Anna-Lena Hilgemann. Noch ein Trimester lang wird sie in der Mensa helfen, bis ihre Abschlussprüfungen anstehen – dann sind die Studenten vom Kochdienst befreit.