Schon früh wusste ich, dass ich Biologe werden wollte. Als Zehnjähriger sammelte ich Käfer, züchtete Fische in Aquarien, kannte jede Vitrine im Naturkundemuseum und war mit dem Amtstierarzt befreundet. Meine Vorbilder im Fernsehen waren Bernhard Grzimek und Jacques Cousteau . Erst später erfuhr ich, dass die gar keine Wissenschaftler waren.

Viele Studenten haben heute auch nur eine vage Vorstellung davon, was Wissenschaft bedeutet. Genauso wenig, wie ich damals den Stand der Forschung in meinen Was ist was?- Bänden lesen konnte, finden sie ihn heute in ihren Lehrbüchern. Und so sind viele zum Anfang ihrer Masterarbeit immer noch ahnungslos – trotz eines soliden Lehrbuchwissens. Schon in meiner Anfängervorlesung versuche ich daher klarzumachen, dass die vermeintlichen Wahrheiten in den Lehrbüchern lediglich den letzten Stand des Wissens der Primärliteratur des Autors darstellen. Lehrbuchwissen ist immer veraltet. Warum sollte man auch Forscher werden wollen, wenn schon alles bekannt wäre?

Wissenschaft ist nie fertig, sie ist etwas Lebendiges, und täglich werden neue Erkenntnisse gewonnen. Und weil Wissenschaft im Dialog entsteht, muss man sich bemühen, Teil dieses internationalen Austausches zu werden, und schon im Studium den kritischen Umgang mit der Primärliteratur üben. Mein zweiter Tipp: Gehen Sie als wissenschaftliche Hilfskraft so früh wie möglich in ein Labor. In welchem Ihre ersten Gehversuche als Wissenschaftler stattfinden, ist dabei keineswegs gleichgültig: Wo Sie die Forschung für Ihren Bachelor, Ihren Master oder gar Ihre Doktorarbeit machen, ist eine der wichtigsten Weichenstellungen für Ihre Forscherlaufbahn. Nur etwa jeder 16. Doktorand in Deutschland erreicht eine Karriere als akademischer Forscher, daher muss man sich die besten Ausgangsbedingungen suchen. Es wird schwieriger, ein Forscherleben fortzuführen, wenn man schon in einem eher mäßigen Labor angefangen hat. Deshalb sollte bei der Wahl nicht die Stimmung im Labor ausschlaggebend sein, sondern die wissenschaftliche Qualität.

Aber woher soll man wissen, was gute Forschung ist und wo sie gemacht wird? Wie findet man die besten Themen? Das alles ist die halbe Miete beim wissenschaftlichen Erfolg– zusätzlich braucht es natürlich auch noch viel Fleiß und eine Prise Glück. Denn was am Ende zählt, sind die wissenschaftlichen Veröffentlichungen. Sie sind die Währung, nach der zumindest in den Naturwissenschaften gerechnet wird.