der eindruck, dass wir benachteiligt sind, täuscht. wir achten die menschen, die erstaunt feststellen, dass man auch so wie wir leben und studieren kann, und die uns nicht in ihr weltsichtsystem zwängen wollen

In ihren ersten Semestern verbrachten Konstantin und Kornelius zwischen den Seminaren unzählige Stunden damit, mit einem roten Plastikball auf dem Campus zu spielen. Immer wieder landete der Ball auf dem Dach eines flachen Gebäudes. Dann zogen sie Kommilitonen am Arm, versuchten ihnen klarzumachen, dass sie ihnen helfen sollten, den Ball wiederzubekommen.

Einige reagierten verständnislos, manche genervt. Vor allem später, als sie gar keinen Ball mehr auf dem Dach entdecken konnten, die beiden jungen Männer sie aber trotzdem am Ärmel zupften und nach oben wiesen. Dabei hatten Konstantin und Kornelius auf diese Weise eine Möglichkeit gefunden, Kontakt aufzunehmen. Mit dem Ballspielen haben die Zwillinge mittlerweile aufgehört. Sie sind im Laufe des Studiums selbstbewusster geworden, bewegen sich auf dem Campus mit großer Selbstverständlichkeit. Nach der Vorlesung kommt ein breitschultriger Mann zur Tür herein und stößt im Türrahmen leicht an Kornelius. Der stolpert übertrieben, als habe ihn die Berührung fast umgeworfen. "Gibts doch gar nicht", murmelt er und bricht mit seinem Bruder in Gelächter aus. Auch der Kommilitone muss lachen.

In der Mensa kümmert sich Kornelius um die Getränke, er angelt Mineralwasserflaschen aus dem Selbstbedienungskühlschrank und bezahlt sie an der Kasse. Konstantin macht einer Mitarbeiterin unterdessen durch Nicken und Kopfschütteln verständlich, dass er Spaghetti ganz ohne Soße essen möchte.

Silvia Keulen ist überzeugt, ihre Söhne könnten sich noch ein Stück weit angepasster verhalten und sich im Seminar auch einmal auf einen Stuhl setzen, wenn sie nur wollten. "Sie sind sich aber bewusst, dass sie mit einer stärkeren Anpassung an die Konventionen auch etwas aufgeben würden – nämlich ihre besondere Art, die Dinge zu sehen."

Professor Petsche sagt, er könne sich vorstellen, dass die beiden auch weiter wissenschaftlich arbeiten. "Sie könnten bestimmt Interessantes zum Problem des Raum-Zeit-Kontinuums beitragen."

Die Zwillinge schreiben:

wir werden sehen