Jacques Lacan: Der Psycho-Thriller

Wie Alfred Hitchcock ist der französische Psychoanalytiker Jacques Lacan ein Meister der Suspense, der erwartungsvollen Spannung. In dieser Vorlesung über die Psychoanalyse im Allgemeinen brüllt er, er flüstert, und dann schweigt er, quälende Sekunden lang. Die Kamera verharrt auf seinem Gesicht. Die Spannung entlädt sich, als ein Student aufspringt und die Koryphäe mit einem Krug voll Schmutzwasser angreift. Eine thematisch etwas angestaubte Handlung, aber nuanciert gespielt. Ein zeitloser Klassiker mit stimmungsvollen Schwarz-Weiß-Bildern und ruhiger Kameraführung. Für lange Winterabende auf dem Sofa.

Jürgen Habermas: Das Doku-Drama

Dieser Text stammt aus dem aktuellen ZEIT Campus Magazin, das am Kiosk erhältlich ist. Klicken Sie auf das Bild, um auf die Seite des Magazins zu gelangen

Was für ein Mann. Jürgen Habermas , der weltbekannte Philosoph, steht vor einer schlecht gewischten Tafel der Purdue-Universität in Indiana und macht das, was er gleichzeitig am besten und am schlechtesten kann: Er spricht. Über die kantianische Idee des Völkerbundes. Habermas wurde mit einer Hasenscharte geboren. Jedes Wort ist eine Anstrengung für ihn. Was hat ihn bewegt, ausgerechnet einen Beruf zu wählen, der vor allem vom Sprechen lebt? Fest steht: Seit Der alte Mann und das Meer hat uns kein Darsteller mit wenigen Gesten so gerührt. Für die Nacht vorm Referat: Wenn der’s schafft, schaff ich’s auch!

Judith Butler: Das Sozialdrama

Man könnte diese Vorlesung für einen Film über Geschlechterrollen halten, denn im Mittelpunkt steht die Literaturprofessorin Judith Butler – der Superstar der Gender Theory. In Wirklichkeit aber geht es um spätrömische Dekadenz. Der Ort: das Nobel-Museum von Stockholm mit goldenen Säulen und Marmorstatuen. Butler thematisiert die Verantwortung, die satte Menschen in Industriestaaten haben, wenn sie hungernde Kinder in Afrika sehen. Der Widerspruch zwischen dem Thema und der Dekadenz des Drehorts erzeugt eine subtile Spannung. Ein sozialkritischer Film für alle, die von Schreckensbildern ein schlechtes Gewissen bekommen.