"DerPraktikant hat seine Aufgaben stets zu unserer vollsten Zufriedenheit erledigt."

Bernhard Just, Personalchef bei Carl Zeiss: Ich versuche schon lange, in der Kneipe ein vollstes Bier zu bekommen. Das hat leider noch nie geklappt. Aber dieser logisch eigentlich unsinnige Superlativ gehört nun mal zu einem sehr guten Zeugnis wie das ebenfalls wichtige "stets". Fehlt eines von beiden, ist es eben nur noch gut. Ansonsten schreiben wir bei einem sehr guten Zeugnis einen viel detaillierteren Bewertungsteil als sonst. Wir schildern dann zum Beispiel ein schwieriges Projekt des Praktikanten.

" Die Praktikantin bewältigte die ihr aufgetragenen Aufgaben in guter Weise."

Nina Fehrlage, Leiterin der Aus- und Weiterbildung bei Gerry Weber: Wenn wir nur "gut" statt "herausragend" oder "sehr gut" schreiben, weiß jeder, dass die Leistung unterdurchschnittlich war. Wichtig ist in diesem Zusammenhang auch das "aufgetragen". Damit drückt man aus, dass die Praktikantin nur abgearbeitet hat. Sie hat sich nicht selbstständig eingebracht, sondern hat immer nur eine Aufgabe übernommen, wenn man ihr eine konkrete Anweisung gegeben hat. Und uns sind Engagement und Eigeninitiative auch bei Praktikanten sehr wichtig.

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" Wegen seiner Pünktlichkeit war der Praktikant allen stets ein gutes Vorbild."

Stefanie Galdia, Personalreferentin bei Roland Berger: Wird ein Praktikant in einem Zeugnis für etwas gelobt, das im Berufsleben selbstverständlich ist, ist das ein schlechtes Zeichen. Es drückt sogar das Gegenteil aus: Wird Pünktlichkeit betont, heißt das zwischen den Zeilen, dass es der Praktikant damit nicht so genau genommen hat. In ein Zeugnis schreiben wir solch einen Satz aber nur, wenn diese Eigenschaft grundsätzlich ein Problem war – nicht, weil einer zweimal die U-Bahn verpasst hat.