Die Schnellsten werden nicht zuerst eingestellt

Zügig studieren, gute Noten an renommierten Unis erreichen und sich möglichst jung mit einem stringenten Lebenslauf bewerben – das scheint vielen der beste und auch der einzige Weg in den Beruf zu sein. Nicht dass die Kommilitonen aus dem ersten Semester einem die Jobs wegschnappen! Doch diese Angst ist unbegründet. Im Gegenteil: Während des Studiums nach links und rechts zu gucken bringt einem nicht nur persönlich mehr, sondern kommt auch bei der Bewerbung besser an.

Mehr Texte zum Berufseinstieg für alle Studenten im ZEIT CAMPUS Ratgeber Berufseinstieg © ZEIT CAMPUS

Personalverantwortliche wollen Persönlichkeiten

Thomas Fritz etwa, der sich bei der Unternehmensberatung McKinsey um die Bewerber kümmert, stellt nur selten Absolventen ein, die erst Anfang 20 sind. "Bei uns müssen auch Berufsanfänger sofort ganze Leistung bringen", sagt er, "halbe Berater gibt es nicht." Es fänden sich zwar Absolventen, die den Anforderungen des Unternehmens bereits in so jungen Jahren gerecht würden. Im Zweifel zählen aber nicht Alter und Abschluss, es zählt die Persönlichkeit. Und die entwickelt sich eben in unterschiedlichen Firmen, in fremden Ländern, beim Einsatz für Werte und auch in ruhigen Stunden des Nachdenkens. Weniger am Schreibtisch.

Auf die praktischen Erfahrungen kommt es an

"Wir schätzen Bewerber mit praktischen Kenntnissen und idealerweise Auslandserfahrung. Dafür nehmen wir auch eine längere Studiendauer in Kauf", sagt Eva-Maria Weidner, die bei Bosch zuständig für das Hochschul- und Personalmarketing ist. "Praxiserfahrung verschafft Absolventen nicht nur Vorteile für ihre Bewerbung, sondern erleichtert auch den Einstieg in den ersten Job." Je konkreter das Berufsziel, desto schneller kann man starten. Das heißt im Umkehrschluss: Wer noch unentschlossen ist, sollte sich die Zeit zur Orientierung nehmen und lieber ein Praktikum mehr machen, um Klarheit zu gewinnen.