Ferdy van der Singel, 25, lebt wie ein Fürst. Der niederländische Musikstudent wohnt in einer Zwei-Millionen-Euro-Villa am Stadtrand von Enschede, vom Fenster aus schweift sein Blick über einen Park. Die Eingangshalle ist mit Marmor gefliest, und die 50 Räume sind mit edlen Teppichen ausgelegt. Ferdy gehört die Villa nicht – er ist der Haushüter. In den Niederlanden ist das ein ziemlich populärer Nebenjob für Studenten.

Ferdy bezahlt nur 182,50 Euro im Monat; für Gas, Wasser und Strom muss er nicht aufkommen. Im Gegenzug schaut er im Haus nach dem Rechten, benachrichtigt die Besitzer, wenn etwas kaputt ist, und bewacht das Gelände. Durch seine Anwesenheit soll er Hausbesetzer und Einbrecher fernhalten. Einziger Haken: Sollte sich ein Käufer für die Villa finden, muss Ferdy innerhalb von zwei Wochen ausziehen. "Nicht schlimm", sagt er, "dann ziehe ich ins nächste Haus. Vorher habe ich in einer Schule gewohnt."

Seit einigen Monaten gibt es Haushüter-Jobs auch in Deutschland. Vermittlungsfirmen wie Camelot suchen bevorzugt Studenten für leerstehende Häuser, "weil die flexibel und meistens verantwortungsbewusst sind", wie Dirk Rahn von Camelot sagt.

Das Angebot klingt erst einmal verlockend. Allerdings leben nicht alle Haushüter so feudal wie Ferdy. Britische Studenten berichten von Schimmel an den Wänden oder von Büros, die kaum Wohnkomfort haben. Und Haushüter zahlen in Deutschland pauschal 165 Euro im Monat, egal ob im Schloss oder in einer Schule. Ferdy hat Glück gehabt: "Meine Freunde scherzen schon, ich soll mich nicht an den Luxus gewöhnen. Ich werde ja wohl nie mehr so edel wohnen!"