Fünf bis sechs Firmen berät Sebastian Geißler, er macht Vorschläge, wie sie Kunden im Netz erreichen können. Lebensmittelkonzerne wie der Bonbonhersteller sind dabei, aber auch Finanzunternehmen. Verbreitungsmittel Nummer eins ist Facebook, allein in Deutschland sind 22 Millionen Menschen angemeldet. Doch nicht zu jeder Firma passt jede Werbeform. Technikfreaks etwa wollen detaillierte Infos, keine lustigen Spielereien. Um für ein neues Smartphone zu werben, hat Sebastian Geißler einer Telekommunikationsfirma deshalb den word of mouth-Weg empfohlen, die Mundpropaganda. Das bedeutet jede Menge Recherchearbeit. Bevor das Handy auf den Markt kam, hatte Sebastian Geißler 500 Tester darauf angesetzt. Er schrieb Blogger an, suchte in Foren nach Kandidaten. Die Tester bekamen jeder eines der neuen Smartphones, in einem Blog und auf einer eigenen Facebook-Seite konnten sie ihre Bewertung veröffentlichen. Per Schneeballprinzip wurde ihr Urteil weiterverbreitet, vor allem durch Links von Facebook-Freunden. Die Idee dahinter: Technisch versierte Kunden vertrauen eher den Nutzern als einem Slogan in einer Anzeige.

Läuft das Schneeballprinzip, dann moderiert Sebastian Geißler die Testergebnisse. Auch auf die negativen Kommentare muss er reagieren: "Wer zensiert, hat im Netz verloren." Wichtig sei, schnell Frust abzufedern. "Wenn jemand schreibt, dass er seit 15 Minuten in der Warteschleife der Hotline hängt, muss ich ihm zumindest ein paar Links schicken und sagen, wie er schnell Hilfe bekommt", sagt Sebastian Geißler. "Ich muss jeden ernst nehmen und auf jeden reagieren." Anders als bei einem Werber, dessen Job beendet ist, wenn das Plakat an der Litfaßsäule hängt, ist die Kampagne eines Social-Media-Managers nie wirklich abgeschlossen. Und das darf sie auch nicht sein: Im Idealfall sollte das Interesse an einem neuen Produkt im Internet nicht versiegen.

Erfolg ist nicht messbar

Was die interaktiven Werbeformen tatsächlich bringen, kann bisher niemand genau sagen. Klickzahlen geben Hinweise auf die Reichweite, aber Wirkungsanalysen sind das nicht. "Derzeit ist jede Aktion ein neuer Testlauf", sagt Sebastian Geißler. Erste Tricks hat er sich aber schon angeeignet. Das Kuh-Spiel zum Beispiel verlinkt er nicht mit dem Zusatz "Hey, ich hab da ein cooles Spiel". Stattdessen schreibt er: "Hey, ich hab schon 8.000 Punkte geschafft!" Sebastian Geißler soll die User ködern.

Feierabend, Sebastian Geißler loggt sich aus. Er sagt, privat meide er soziale Netzwerke. "Im Büro surfe ich von morgens bis abends bei Facebook. Das reicht." Dass Facebook Unmengen an Daten sammelt, stört ihn nicht: "Wer ein Problem damit hat, sollte dort einfach wenig von sich preisgeben." Über Datenschutz machen sich die Webguerillas nur noch auf ihrer Toilette Gedanken. Auf den weißen Kacheln über der Spülung steht: "Spülen-App". Und zum Ankreuzen: "Ja, ich bin volljährig" und: "Ja, das Klo darf auf meine Daten zugreifen".