Gestern noch in der Vorlesung, heute schon im Fernsehen. Sechs Professoren erinnern sich an ihre berühmten Studenten

"Sie hatte ihre Dreadlocks büschelweise gefärbt"

Professor Rudolf Geiger über Juli Zeh: Die Schriftstellerin studierte von 1995 bis 1998 in Leipzig Jura mit Schwerpunkt Völkerrecht

"Unter meinen Studenten war Juli Zeh unmöglich zu übersehen. Sie färbte ihre Dreadlocks büschelweise, die Farben wechselte sie ständig. Außerdem hatte sie immer ihren Hund dabei. In den Seminaren lag er zu ihren Füßen unter dem Tisch. Er war aber ganz ruhig, ich habe ihn am Anfang überhaupt nicht bemerkt.

Juli Zeh wollte ein Praktikum bei den Vereinten Nationen machen und brauchte dafür ein Empfehlungsschreiben. Ich bat sie, mir ihr besonderes Interesse an dem Praktikum zu erklären. Normalerweise erhalte ich dann eine trockene, halbseitige Begründung, Juli Zeh gab einen mehrseitigen Erlebnisbericht ab. Sie beschrieb einen WG-Abend, an dem sie mit Kommilitonen bis frühmorgens Fragen des internationalen Rechts diskutierte. Es war, als ob ich mit am Küchentisch gesessen hätte. Natürlich bekam sie das Empfehlungsschreiben und später auch ihr Praktikum."

"Dann hat er sich den Rettich geschnappt"

Professor Lars Frank über Rainald Grebe : Er studierte von 1993 bis 1997 Puppenspiel an der Hochschule Ernst Busch in Berlin

"Bei seiner Aufnahmeprüfung hat Rainald Grebe alles Mögliche gemacht: Lieder gesungen, Schauspieleinlagen geboten. Das war klasse, und wir Prüfer waren echt beeindruckt. Nur mit Puppen wollte Rainald nicht vorspielen, das war ihm zu affig – doof, wenn man Puppenspiel studieren möchte. Dann hat er sich irgendein Gemüse geschnappt, einen Rettich oder so, und ziemlich schrägen Quatsch gemacht. Er kicherte die ganze Zeit, weil er das so albern fand. Mir hat’s gefallen und den anderen wohl auch, denn schließlich wurde Rainald ja genommen.

Einige Semester später sollten die Studenten ein eigenes Projekt konzipieren. Rainald plante eine Science-Fiction-Persiflage. Eines Tages kam er zu mir, mit einer Leichenbittermiene, dass ich dachte: Oh Gott, was ist denn jetzt passiert? Rainald war unglücklich mit seinem Thema: Dieser ganze Science-Fiction-Kram gehe ihm tierisch auf die Nerven. Kurz darauf spielte er mir ein Lied vor; es heißt Planeten sind so uninteressant . Er singt es noch heute auf seinen Konzerten. Das war schon ziemlich cool, was er da aus seiner kleinen Sinnkrise entwickelt hat."

"Sie war nie die große Entertainerin"

Professor Peter Waldmann über Barbara Schöneberger: Sie studierte von 1994 bis 1999 Soziologie in Augsburg

"Heute kennt man Barbara Schöneberger ja vor allem als ›die mit der großen Oberweite und dem tiefen Ausschnitt‹. Ich habe sie anders in Erinnerung. Natürlich war Frau Schöneberger auch als Studentin auffallend hübsch. Aber sie ist ganz anders aufgetreten. An der Uni war sie nie die große Entertainerin, eher zurückhaltend, fast schüchtern. Ihr loses Mundwerk hat sie erst später entwickelt – oder zumindest hat sie es damals gut vor mir versteckt. Trotzdem ist sie mir schon früh aufgefallen, ihre wissenschaftliche Neugierde hat mich sehr beeindruckt. Sie hat das Wissen nicht nur für die Prüfungen in sich hineingefressen, sondern war wirklich an den Themen interessiert. Leider hat sie nach zehn Semestern ihr Studium abgebrochen.

Zuvor hat Barbara Schöneberger aber noch ihre Zwischenprüfung bei mir gemacht, und sie war ausgezeichnet, eine glatte Eins. Ich habe ihr dann eine Hiwi-Stelle angeboten. Diese Chance bekommt wirklich nicht jeder. Aber sie wollte nicht. ›Ich fürchte, das wird meinen Finanzbedarf nicht decken‹, hat sie gesagt. Die 500 Mark pro Monat waren ihr anscheinend nicht genug. Auch wenn das vielleicht etwas schnippisch klang, sie hat es ganz freundschaftlich gemeint."