"Ich habe ihr zur Politik geraten"

Professor Jürgen W. Falter über Kristina Schröder: Die Familienministerin studierte von 1997 bis 2002 Politik in Mainz

"Eine mündliche Prüfung von Kristina Schröder ging über den Werturteilsstreit in den Sozialwissenschaften. Ihre Wahl war mutig, denn das war eines meiner Spezialgebiete, ich hatte es in meiner Habilitationsschrift behandelt. Die Prüfung verlief recht ungewöhnlich, es war eher ein wissenschaftliches Fachgespräch. Ich erinnere mich nicht mehr genau an die Note, die ich ihr gab, aber sie lag auf jeden Fall im Einserbereich.

Mich hat beeindruckt, wie gut Kristina Schröder ihr Bundestagsmandat und ihre Promotion unter einen Hut gebracht hat, ihr Zeitmanagement ist erstaunlich: Fast jedes Wochenende saß sie bei uns in der Bibliothek und recherchierte für ihre Doktorarbeit. So gut organisierte Studenten erlebe ich selten.

Frau Schröder war unsicher, ob sie in die Politik oder in die Wissenschaft gehen sollte. Sie fragte mich um Rat, ich habe ihr zur Politik geraten, weil ich glaube, dass es mehr junge, kluge Politikerinnen wie sie braucht. Dass sie Karriere machen würde, habe ich geahnt, ja erwartet. Aber das Tempo hat mich dann doch überrascht."

"Nach dem Burnout war sie nah am Wasser gebaut"

Professor Wolfgang Wildgen über Reyhan Şahin, besser bekannt Lady Bitch Ray : 2005 machte sie ihren Magister in Linguistik

"Ich hatte lange Zeit überhaupt keine Ahnung, dass Frau Şahin berühmt ist. Von einer Lady Bitch Ray hatte ich nie gehört, ich kannte nur die seriöse Studentin Reyhan Şahin. Als Rapperin gibt sie sich ja recht provokant und lasziv, an der Uni war davon nichts zu spüren. Von dieser Seite ihrer Persönlichkeit habe ich erst durch ihren Besuch bei Harald Schmidt erfahren. Damit hat sie ziemlich polarisiert, auch hier an der Uni gab es Proteste. Danach habe ich mir einige ihrer Fernsehauftritte angesehen. Ich finde, sie hat sich gut verteidigt. Lady Bitch Ray mag eine Künstlerrolle sein, aber auf mich wirkt sie nicht wie eine künstliche Rolle. Ich glaube, Frau Şahin spielt das nicht nur, es ist ein Teil von ihr.

Ihre Doktorarbeit über die Bedeutung des muslimischen Kopftuchs hat Reyhan Şahin in der Uni-Bibliothek geschrieben, weil sie kein eigenes Arbeitszimmer hatte. Dort saß sie oft bis spät in die Nacht. Eines Tages brach sie zusammen, sie konnte einfach nicht mehr. Das hing aber nicht nur mit der Promotion zusammen, sondern auch mit der aggressiven Kritik an ihren Talkshow-Auftritten. Als sie aus der Klinik zurückkam, war sie sehr nah am Wasser gebaut. Jetzt spüre ich davon nichts mehr, es geht ihr gut. Frau Şahin hat die Doktorarbeit als ›ihre beste Therapie‹ bezeichnet, weil sie ihr Halt und Struktur gegeben habe. Ich glaube, das hat ihr geholfen, aus der Depression herauszufinden."

"Er war der Traum einer jeden Schwiegermutter"

Professor Volker Arnold über Oliver Bierhoff : Der Fußballer studierte von 1989 bis 2002 Wirtschaftswissenschaften an der Fernuni Hagen

"Herr Bierhoff wollte unbedingt als Diplom-Kaufmann zur WM 2002 nach Südkorea fahren. Er brauchte noch einen letzten Schein, den er dann bei mir im Seminar erwarb. Am Anfang seines Studiums spielte er bei dem italienischen Verein Udinese Calcio, da hatte er viel Zeit zum Lernen. Als er zum AC Mailand wechselte, kam sein Studium ins Stocken. Dort sei Fußballspielen ein richtiger Vollzeitjob gewesen, meinte er.

Herr Bierhoff war ausgesprochen höflich und gut erzogen, der Traum einer jeden Schwiegermutter. Manche Besucher rauschen bei mir einfach durchs Vorzimmer, ohne meine Sekretärin auch nur zur Kenntnis zu nehmen. Als Herr Bierhoff einmal zu mir ins Büro kam, stellte er sich als Erstes meiner Sekretärin vor. Die hatte damals eine erwachsene Tochter und schwärmte danach spontan: So einer wie Herr Bierhoff sei doch genau der Richtige für ihre Julia."