Ich habe digitalen Selbstmord begangen. Im Dezember habe ich mein virtuelles Selbst bei Facebook gekillt. Und nein, ich bereue nichts – obwohl sich dadurch einiges verändert hat.

Mein Vorhaben hatte ich vorher auf meiner Pinnwand angekündigt. »Denk doch noch mal drüber nach«, rieten mir manche. »Das ziehst du eh nicht durch!«, spotteten andere. Dieser soziale Druck nervt. Schließlich wissen alle, dass das Netzwerk ein Zeitfresser ist und Datenschutzmängel hat. Doch früher oder später kommt in jedem Gespräch das Argument: »Ohne Facebook wüsste ich gar nicht, dass…« Mal ehrlich: Wer ohne Facebook weniger von Freunden weiß, sollte nicht nur diese Art der Kommunikation, sondern auch die Freundschaften anzweifeln.

Deshalb war für mich die einzige Konsequenz: Ich steige aus. Das ist leicht gesagt, aber schwer durchzuziehen. Denn Facebook sieht vor, dass man sein Profil nur »deaktiviert«. Sobald man zweifelt, kann man es wieder aktivieren – und alles ist wie vorher. Weil ich Angst vor meiner eigenen Inkonsequenz hatte, habe ich auf Google danach gesucht, wie man sein Profil ganz löschen kann und fand den passenden Link dazu. Doch auch dann verschwindet das Profil nicht sofort, sondern bleibt erst mal zwei Wochen »deaktiviert«. In der Zeit muss man standhaft sein und darf nirgendwo »gefällt mir« anklicken.

Mein soziales Netzwerk ist heute zwar kleiner, aber dafür real. Ich kommuniziere nun aufwendiger und teurer (die erste Handyrechnung war eine Überraschung!), aber ich bestimme die Regeln. Vor allem nutze ich meine Freizeit bewusster. Zu Weihnachten habe ich eine Gitarre bekommen. Jeden Tag nehme ich mir nun eine Stunde zum Üben – weil ich diese Zeit nicht mehr damit verschwende, mich durch Profile von Freunden zu klicken.

Karolin-Sophie Stüber, 20, studiert Philosophie und Germanistik und hat jetzt genug Zeit zum Lesen