Wenn Daniel Glasner von seinem Job spricht, klingt das, als würde er eine neue Folge der Fernsehserie Raumschiff Enterprise anmoderieren: »Unsere Arbeit ist wie eine Expedition in Gebiete, in die noch nie zuvor ein Mensch gekommen ist.« Glasner ist Geschäftsführer bei Groupon in Berlin-Mitte, einer Firma, die im Internet Rabattgutscheine anbietet – zum Beispiel für Musicalbesuche oder Kalbsschnitzel mit Kartoffelbeilage. Finden sich genug Kunden, die an einem dieser Gutscheine interessiert sind, bekommt Groupon eine Provision vom Theater- oder Restaurantbetreiber.

Das Unternehmen wächst rasant: Vier Jahre nach der Gründung ist es heute in mehr als 40 Ländern vertreten. Doch Glasner schwärmt nicht von der Expansion in alle Welt, sondern davon, dass er im T-Shirt zur Arbeit kommen darf. »Wir schätzen unsere Mitarbeiter und sind uns sicher, dass man ihnen die Wahl ihrer Garderobe selbst überlassen kann«, sagt er. Mit dieser Freiheit wirbt das Unternehmen. »Du kannst bei uns ganz Du selbst sein«, heißt es in einer Personalanzeige im Internet . Nur zu besonderen Anlässen werde erwartet, dass Mitarbeiter sich mal ein Hemd anziehen.

Wer bei Miele anfängt, trägt dagegen täglich ein Hemd oder eine Bluse – und wird gesiezt. »Einen expliziten Dresscode gibt es nicht«, sagt Ekkehard Härtel, Leiter der Personalplanung und -beschaffung. »Im kaufmännischen Management ist aber der klassische Business-Look gelebte Tradition, also Jackett und Krawatte oder eben die entsprechende Kombination bei den Damen.« Der Haushaltsgerätehersteller ist so ziemlich das Gegenteil eines jungen Online-Start-ups: Die Geschichte von Miele begann bereits 1899 in Ostwestfalen mit der Herstellung von landwirtschaftlichen Geräten. Heute beschäftigt das Unternehmen rund 17.000 Mitarbeiter und setzt international mehrere Milliarden Euro pro Jahr mit Staubsaugern, Waschmaschinen und Geschirrspülern um. Man denke langfristig, betont Härtel.

Auf die passende Unternehmenskultur kommt es an

Solche Unterschiede in der Unternehmenskultur können den Arbeitsalltag entscheidend prägen. »Mit den speziellen Gepflogenheiten sollte man sich identifizieren können – oder zumindest keine Probleme damit haben«, sagt die Karriereberaterin Ilonka Winkler. »Die meiste Zeit des Tages verbringt man an seinem Arbeitsplatz. Sich ständig ›verbiegen‹ zu müssen kann sich negativ auf die eigenen Leistungen auswirken.«

Bei Miele gilt die 35-Stunden-Woche. Das ist vertraglich festgehalten und üblich in der Metallbranche. Von Berufsanfängern wird erwartet, morgens um 9.15 Uhr im Büro zu sein und nicht vor 14 Uhr wieder zu verschwinden. Groupon wirbt dagegen damit, dass man morgens später kommen oder zwischendurch zum Friseur gehen könne, zumindest solange der Umsatz stimmt. »Der Erfolg zählt mehr als die Form, wobei wir Erfolg an der Zufriedenheit unserer Kunden und Partner messen«, sagt Daniel Glasner. Eine wichtige Aufgabe in dem Start-up ist es, neue Restaurants oder Reiseanbieter für Gutschein-Aktionen zu gewinnen. Wie das den Angestellten gelingt, liegt in ihrer Hand. »Wir geben unseren Mitarbeitern Freiheit und Verantwortung«, sagt Glasner, »wir ermöglichen es ihnen, Unternehmer zu sein.« Das heißt auch, dass es keine strenge Erfassung von Überstunden gibt, wie sie etwa von Miele praktiziert wird. Dort können Überstunden abgefeiert werden.

Wo man sich bewirbt , muss jeder selbst entscheiden. Für die Berufsberaterin und Autorin Uta Glaubitz ist das eine Typfrage. Die einen fühlen sich wohler, wenn es wie bei Groupon kaum Vorschriften gibt, die anderen kommen besser in einem Unternehmen wie Miele zurecht, das nicht nur auf den kurzfristigen Erfolg schaut. Aber die Expertin warnt davor, vorschnelle Urteile zu fällen: »Vielleicht findet es jemand doof, die Kollegen zu siezen. Bei der nächsten Auseinandersetzung lernt er dann aber, dass ein förmliches Sie eben auch seine Vorteile hat.«