Für Soziologen, Germanisten, Historiker oder Kulturwissenschaftler ist der Einstieg in den Job nicht vorgezeichnet. Typische Stellen für Geistes- und Sozialwissenschaftler gibt es in den Medien, der PR- und Öffentlichkeitsarbeit, in kulturellen und pädagogischen Einrichtungen, bei Behörden und Verbänden – also überall da, wo Sprachgefühl, interkulturelle Erfahrungen und Selbstorganisation gebraucht werden. In anderen Bereichen werden Geisteswissenschaftler selten explizit gesucht – das heißt aber nicht, dass sie keine Chancen haben, eine Stelle im Marketing oder in einer Personalabteilung zu bekommen. Auch Sozialwissenschaftler und Psychologen werden hier fündig. Die Arbeitslosigkeit von Geisteswissenschaftlern lag im Jahr 2010 um ein Viertel niedriger als im Jahr 2000. Für Psychologen gab es 2010 bei der Bundesagentur für Arbeit rund 2.000 offene Stellen, für Soziologen rund 400. Für Politologen waren insgesamt nur 120 Stellen ausgeschrieben. Doch das ist kein Grund zum Pessimismus: Ihre Arbeitslosigkeit lag 2010 um ein Viertel niedriger als noch fünf Jahre zuvor.

Für Einsteigerpositionen mit praktischen Aufgaben, etwa im Buchhandel oder in der Organisation von Kulturveranstaltungen, gilt der Bachelor inzwischen häufig als ausreichend. Dennoch fühlen sich Bachelorstudenten in den Sprach- und Kulturwissenschaften im Vergleich zu Absolventen anderer Fachgruppen besonders schlecht auf den Beruf vorbereitet. Das war aber auch schon bei den alten Magisterstudiengängen der Fall. Das Bachelorstudium schafft in der Regel einen Überblick über ein breites Themenfeld, bereitet aber nicht direkt auf einen Beruf vor. Praktika können dann Möglichkeiten eröffnen, Erfahrungen zu sammeln, überhaupt bestimmte Berufsfelder kennenzulernen und womöglich direkt in den Beruf einzusteigen. Ein Masterabschluss verbessert die Chancen vor allem dann, wenn man ihn gezielt nach dem Berufswunsch auswählt. Ein Master in Kulturmanagement oder sogar ein MBA empfiehlt sich zum Beispiel für alle, die in Richtung Management gehen wollen. Andere Master bieten eine Spezialisierung, etwa in Kulturjournalismus oder Erwachsenenbildung.

Die Aufstiegsmöglichkeiten in den für Geisteswissenschaftler typischen Berufen sind sehr verschieden: in Verwaltungen oder Stiftungen befördert zu werden funktioniert anders als in Unternehmen. Verwaltungen sind hierarchisch organisiert, viele Arbeitsschritte laufen nach strengen Regeln ab. Das gilt auch für den Aufstieg, für den es feste Kriterien gibt. Dazu gehört nicht nur die Leistung, sondern auch das Alter der Mitarbeiter. In der Medienbranche sind sowohl die Stellen in Verlagen als auch in Redaktionen in der Regel begehrt. Im Verlag aufzusteigen ist trotzdem leichter, da große Unternehmen häufig Nachwuchsprogramme für Führungskräfte haben. Journalisten arbeiten oft als freie Mitarbeiter. Aufsteigen können sie nur, wenn sie fest in einer Redaktion arbeiten. Kleine Stiftungen haben meist nur ein geringes Budget für Personalkosten und wenige Mitarbeiter. Deshalb sind die Hierarchien flach. Mitarbeiter haben also viel Eigenverantwortung und arbeiten eng mit ihrem Vorgesetzten zusammen. Entsprechend gibt es aber nur wenige Positionen, um selbst aufzusteigen.

Wenn das eigene Studium, wie bei Geistes- und Sozialwissenschaftlern häufig, nicht so recht zu konkreten Stellenanzeigen passt, heißt das noch lange nicht, dass es dafür keine Jobs gibt. Es heißt vor allem, dass sich die Auswahlverfahren von denen in den meisten anderen Bereichen unterscheiden – sie sind informeller, man kommt vor allem über Kontakte in den Beruf . Die Stellen werden nicht offiziell ausgeschrieben, sondern intern an Leute vergeben, die sich vorher, zum Beispiel in einem Praktikum, schon bewährt haben. Zugespitzt kann man sogar sagen, dass das Praktikum für Geistes- und Sozialwissenschaftler das Assessment-Center ersetzt. Das Praktikum ist eine Gelegenheit, zum Kennenlernen. Nach drei oder sechs Monaten wissen sowohl der Arbeitgeber als auch der Praktikant sehr gut, ob sie zueinanderpassen. Wichtig ist, diese Zeit ernst zu nehmen: Wenn der Chef einen zu einem Feedbackgespräch bittet, mag das zwar informell erscheinen, man sollte sich aber genauso gut darauf vorbereiten wie auf ein normales Vorstellungsgespräch.