ZEIT CAMPUS: Frau Hofert, worauf muss man bei Online-Bewerbungen achten ?

Hofert: Auf keinen Fall sollten Sie jedes Dokument einzeln an die Mail anhängen! Der Empfänger muss sonst 25 Doppelklicks machen – und hasst den Bewerber schon, bevor er einen einzigen Satz gelesen hat. Also die PDF-Dateien miteinander zu einer Datei verbinden und anhängen. Außerdem steht die Signatur in einer E-Mail nicht oben, sondern unten, anders als in einem Brief.

ZEIT CAMPUS: Kommt das Anschreiben direkt in die Mail oder mit Lebenslauf und Zeugnissen in den Anhang?

Hofert: Das geht beides. Ich bin der Meinung, es sieht ein bisschen blöd aus, wenn die Mail fast leer ist. Insofern würde ich eine Kurzform des Anschreibens in die Mail übernehmen – und mein normales Anschreiben auf Seite eins des Anhangs packen. So stellt man jeden zufrieden.

ZEIT CAMPUS: Wie sieht so eine Kurzform aus?

Hofert: Wichtig ist die Ansprache: kein allgemeines "Sehr geehrte Damen und Herren", sondern "Sehr geehrte Frau Schulz". Notfalls durch einen Anruf beim Unternehmen herausfinden, welche Person zuständig ist. Es folgen die ersten zwei Absätze aus dem Anschreiben und der Schluss: "Näheres entnehmen Sie bitte meinem PDF-Anhang." Dass das Anschreiben im Anhang identisch anfängt, stört nicht, weil das meist erst später gelesen wird.

ZEIT CAMPUS: Wie unterschreibt man eigentlich bei E-Mail-Bewerbungen ?

Hofert: Man kann seine Unterschrift auf ein Papier schreiben, einscannen und dann einfügen. Das sieht optisch ganz nett aus. Wenn eine digitalisierte handschriftliche Unterschrift fehlt, wird man aber nicht aussortiert. Ein Foto gehört jedoch dazu. Die Bilddatei fügt man am besten direkt in den Lebenslauf ein. Auf keinen Fall sollte man sie extra anhängen.

ZEIT CAMPUS: Was ist der Sinn von Onlinebewerbungsformularen, die man direkt auf der Unternehmenswebseite ausfüllt?

Hofert: Das machen vor allem große Konzerne. Die Personalchefs geben das zwar nur ungern zu, aber der Grund ist klar: Eine Computersoftware sortiert schon mal erste Bewerber aus. Zum Beispiel alle, deren Abiturnote schlechter als 2,5 ist. Bei Selbsteinschätzungen in Onlineformularen muss man deswegen auch nicht zu kritisch mit sich sein. Also die eigenen Fremdsprachenkenntnisse lieber etwas besser als schlechter bewerten. Es wäre doch schade, wenn man nicht zum Gespräch eingeladen wird, nur weil man zu bescheiden war. Die Formulare verändern sich gerade. Eine Zeit lang sind sie immer umfangreicher geworden, da wurde jede Excel- und Java-Kenntnis abgefragt. Jetzt geht der Trend zum Glück wieder zu kürzeren Formularen.

ZEIT CAMPUS: Haben Sie ein Beispiel für Onlinetests?

Hofert: Manche Konzerne machen online Persönlichkeitstests. Da muss man sich selbst einschätzen und überlegen, welche Aussagen auf einen mehr oder weniger zutreffen. "Ich entwickle gerne neue Ideen" oder "Ich erledige Aufgaben gründlich". Das geht man am besten ganz locker an. Einfach Punkt für Punkt ehrlich durchgehen. Bei "Ich bin leicht deprimiert" sollte man aber lieber ein klares Nein angeben. Wichtig ist vor allem, dass man sich bewusst ist, was man ankreuzt. Man kann nicht angeben, man sei extrem selbstbewusst und dann beim Vorstellungsgespräch später schüchtern auftreten.

ZEIT CAMPUS: Gibt es noch andere Formen?

Hofert: Bei Lufthansa müssen einige Bewerber online einen ähnlichen Test wie in Assessment-Centern machen. Da wird simuliert, dass man E-Mails bekommt. Die muss man sichten, sortieren und ihnen Prioritäten zuweisen. Das wird dann immer schneller und schneller mit immer mehr Mails.