Wie groß die Verbreitung des Toefl in Deutschland ist und welches Geschäftsmodell dahintersteckt, das lässt sich nur erahnen, denn der Anbieter ETS ist verschwiegen. Eine Vertretung in Deutschland gibt es nicht. Auf E-Mails und Anrufe in Amerika wird höflich reagiert, auf viele Fragen aber nicht geantwortet. Wie viele Tests sind in den letzten Jahren in Deutschland durchgeführt worden? Es entspreche nicht den Unternehmensgrundsätzen, dazu Angaben zu machen, heißt es aus Princeton. ETS verrät lediglich, dass die Zahl der Tests in Deutschland zwischen 2000 und 2011 im Durchschnitt jedes Jahr um 8 Prozent gewachsen ist – demnach hätte sich die absolute Zahl der Tests über diesen Zeitraum mehr als verdoppelt. Im Vergleich zu 2007 ist der Test heute um mehr als die Hälfte teurer. Warum? Der Preis decke Entwicklung, Produktion, Verwaltung und Benotung, heißt es aus Princeton. ETS verfolge keine Gewinnabsichten und sei bemüht, die Kosten niedrig zu halten. Jedoch seien die "administrativen Ausgaben" gestiegen.

Fest steht: ETS erlebt ein eindrucksvolles Wachstum und beachtliche Umsätze. Innerhalb von 20 Jahren hat es sich von einem kleinen Testanbieter zu einer globalen Organisation entwickelt, deren Einnahmen sich im Jahr 2010 auf rund eine Milliarde US-Dollar beliefen – das zeigen die Unterlagen der Bundessteuerbehörde der Vereinigten Staaten. Dabei hat ETS in den USA den Status einer gemeinnützigen Organisation und muss als solche keine Steuern zahlen. Diesen Status muss ETS jedes Jahr mit einer öffentlichen Erklärung vor der Steuerbehörde rechtfertigen. Laut dem letzten Bericht blieb 2010 ein Gewinn von knapp 27 Millionen Dollar. Der ETS-Chef Kurt Landgraf erhielt ein Jahresgehalt von knapp 1,2 Millionen Dollar, weitere Führungskräfte teils deutlich mehr als 200.000 Dollar.

Der Toefl hat sich wohl auch deshalb in Deutschland durchgesetzt, weil jeden Monat mehrere Termine in den 61 Testzentren angeboten werden. Die deutschen Testzentren bekommen laut ETS eine Aufwandsentschädigung, die sich nach Größe des Zentrums und der Zahl der Testteilnehmer richtet. Zwei große Zentren geben unabhängig voneinander an, dass sie von den 190 Euro Teilnehmergebühr pro Test etwa 30 bis 40 Euro erhalten. "Wir verdienen daran keinen Cent, das deckt höchstens unsere Kosten", sagt der Leiter eines Testzentrums, der anonym bleiben möchte, aus Sorge, er könne sonst Probleme mit ETS bekommen. Zumeist sind die Testcenter Sprachlernzentren oder Volkshochschulen, die verschiedene Sprachkurse anbieten. "Den Toefl machen wir fürs Prestige, das ist wie ein Qualitätssiegel", sagt der Geschäftsführer. Partner von ETS zu sein, schaffe Vertrauen bei potenziellen Interessenten für Sprachlernkurse.

Erste Uni-Institute stellen den Test infrage

Während die Zahl der Deutschen, die den Test ablegen, nach Angaben von ETS immer noch steigt, beginnen inzwischen die ersten Uni-Institute, den Toefl infrage zu stellen. So wurde an der Universität Hamburg der Test als Voraussetzung für den Anglistik-Bachelor zum Wintersemester 2012/2013 abgeschafft. Der administrative Aufwand sei zu groß geworden, argumentiert die Studiendekanin und Anglistik-Professorin Susanne Rupp. "Ich halte es auch für problematisch, zu viel auf externe Dienstleister zurückzugreifen, um Sprachkenntnisse zu prüfen", sagt sie. Die Qualität der Studienbewerber habe seitdem nicht merklich nachgelassen. "Bislang sind unsere Erfahrungen durchweg positiv", sagt Susanne Rupp. Auch für den englischsprachigen Masterstudiengang in Agrar- und Ressourcenökonomik an der Universität Bonn ist nun kein Toefl mehr nötig. "Wir haben bei unseren deutschen Bachelorabsolventen keine Defizite gesehen", sagt der Institutsvertreter Ralf Nolten.

Lieber nicht zu sehr am Toefl rütteln will der Akkreditierungsrat, ein Gremium, das für die Einhaltung der Bologna-Regeln sorgt. "Nur ein Abitur zu verlangen, um ein bestimmtes Sprachniveau zu gewährleisten, ist in manchen Fällen sicher zu kurz gegriffen", sagt der kommissarische Geschäftsführer Franz Börsch. Die Unis seien jedoch frei in der Art des verlangten Nachweises, denkbar seien auch Auswahlgespräche auf Englisch.

Aus dem Toefl ergibt sich nicht zuletzt eine soziale Frage, sagt Susanne Rupp, die Professorin aus Hamburg. Denn nicht jeder Schüler oder Student habe 190 Euro für die Zulassung zum Test übrig. "Viele meiner Kommilitonen aus Hannover haben sich für ihr Wunschstudium gar nicht erst beworben, weil ihnen der Test zu teuer war", sagt Marine Przybyl. Sie studiert nun Plant Sciences an der Universität Bonn, ebenfalls auf Englisch. Sie komme gut zurecht, sagt sie. Dass sie angeblich vier Punkte von der sicheren Beherrschung der Wissenschaftssprache trennen, interessiere an der Uni Bonn niemanden.