Armin Piálek, 28, hat eine Mission – und ein Büro, das manchen Firmenchef neidisch macht. "Ist das ein Ausblick?", fragt er, als er die Tür vom Konferenzraum zum Balkon aufstößt, mit freier Sicht auf das Kanzleramt, den Reichstag und den Berliner Hauptbahnhof. "Im Sommer machen wir hier oft unsere Mittagspausen." Früher saß Armin Piálek in Räumen, die enger waren, abgelegener, manchmal auch muffiger: Er engagierte sich in der Landesschülervertretung in Berlin, in der Fachschaft an der Uni Bayreuth und für einige Zeit auch in der WASG, einer Partei der Gewerkschafter und Globalisierungskritiker, die heute zur Linkspartei gehört. Einige seiner Kommilitonen hätten ihn als "rote Socke" bezeichnet, sagt er. Heute würde das wohl niemand mehr zu ihm sagen, denn er arbeitet für eine Stiftung, die den Namen eines verstorbenen Großindustriellen und Multimillionärs trägt, den Namen eines Mannes, der, wie ein Historiker im Auftrag der Erben herausgefunden hat, seine Laufbahn als NSDAP-Mitglied und Nutznießer der Nazipolitik begonnen hat: Die BMW Stiftung Herbert Quandt.

"Ich wollte in den gemeinnützigen Bereich", sagt Armin Piálek, "und mir ist wichtig, dass meine Arbeit einen impact hat, dass es nicht bloß um Dogmen und Stammtischparolen geht." Als er nach seinem Bachelorstudium aus Bayreuth zurück nach Berlin kam und sich bei der Stiftung um ein Praktikum bewarb, war er noch skeptisch. "Ich habe mich gefragt, ob die Stiftung nicht bloß ein Marketing-Tool für BMW ist", sagt er. "Doch es hat mich gereizt, dass die Stiftung finanziell gut ausgestattet und nicht zu groß ist."

Nach dem Praktikum blieb Piálek bei der Stiftung: Während seines Masterstudiums der Osteuropastudien jobbte er als Assistent des Geschäftsführers, schon einige Wochen nach seinem Abschluss wurde er dann als Projektmanager übernommen. Heute verdient er genug, um damit gut über die Runden zu kommen, und wird auf Dienstreisen geschickt, nach London und New York. "Das Coolste ist, wie viele Leute ich treffe", sagt er. "Ich rede mit Unternehmenschefs genauso wie mit Studenten und bringe sie zusammen. Ich bin ein Netzwerker."

Rund 19.500 Stiftungen gibt es, schätzt der Bundesverband Deutscher Stiftungen. Und es werden immer mehr. Auch als Arbeitgeber werden Stiftungen beliebter, sagt Hans Fleisch, Generalsekretär des Bundesverbands. "Genaue Zahlen, wie viele Bewerbungen unsere Mitglieder bekommen, haben wir nicht", sagt er. "Aber wir hören immer wieder, dass die Nachfrage wächst." Als sein Verband Ende 2012 ein Praktikum ausschrieb, meldeten sich rund 240 Bewerber, "deutlich mehr als noch vor zehn Jahren", sagt Hans Fleisch.

Überraschend ist das nicht: Die klassischen Arbeitgeber von Idealisten, etwa Parteien, Gewerkschaften und Kirchen, verlieren seit Jahren an Ansehen. Andere gemeinnützige Organisationen sind von Spenden und Mitgliedsbeiträgen abhängig und oft knapp bei Kasse. Stiftungen geben ihren Mitarbeitern das Gefühl, etwas Gutes zu tun – und zumindest die großen unter ihnen haben viel Geld.

Viele Stifter nutzen eine Erbschaft, um im Gedenken an den Verstorbenen soziale und kulturelle Projekte zu fördern. Die Robert-Bosch-Stiftung wirbt als größte deutsche Stiftung damit, "das Gemeinwohl und die Entwicklung der Bürgergesellschaft" zu fördern, und hat einen finanziellen Grundstock von fünf Milliarden Euro. Herbert Quandt hat seine Stiftung schon zu Lebzeiten errichtet. Um Gutes zu tun – und um in guter Erinnerung zu bleiben. Ihr erklärtes Ziel ist unter anderem die "Lösung gesellschaftlicher Probleme". Dafür verfügt sie über ein Vermögen von 50 Millionen Euro. Das reicht für jährliche Zinserträge von mehr als drei Millionen Euro, die Armin Piálek und seine Kollegen für ihre Projekte ausgegeben können. Während die parteinahen Stiftungen wie die Friedrich-Ebert- oder Konrad-Adenauer-Stiftung mit Steuergeldern unterstützt werden, profitiert die unternehmensnahe Stiftung von den Gewinnen des Konzerns. Laufende Kosten wie Armin Piáleks Büro werden von BMW bezahlt. Im Gegenzug sitzen Konzernchefs im Kuratorium, das den Stiftungsvorstand bei seiner Arbeit berät.