ZEIT CAMPUS: Frau Fräßdorf, Sie sind vor zwei Jahren mit Ihrer eigenen Promotion fertig geworden, jetzt sind Sie Doktorandenforscherin. Zahlt sich eine Promotion finanziell aus?

Anna Fräßdorf: Studien zeigen, dass man im Durchschnitt mehr verdient, wenn man promoviert ist. Allerdings trifft das nicht auf alle zu – bei den Sprach- und Kulturwissenschaftlern zum Beispiel gibt es keinen starken Effekt. Im Schnitt verdienen Promovierte rund 600 Euro pro Monat mehr als Akademiker ohne Doktortitel. Aber dafür steigen sie natürlich auch später in einen regulären Beruf ein.

ZEIT CAMPUS: Außerdem muss man während der Promotion sparsam leben, oder? Die große Zeit der Dosensuppen?

Fräßdorf: Also, ich habe in meinem Leben nur selten Dosensuppen gegessen, auch während der Promotion. Aber es hat schon geholfen, dass ich mir über Lehraufträge ein bisschen was zu meinem Stipendium dazuverdienen konnte. Einige wenige leben unter der Armutsgefährdungsgrenze. Der Großteil der Promovierenden hat aber immerhin 1.200 bis 1.300 Euro monatlich zur Verfügung.

ZEIT CAMPUS: Spielt die Fachrichtung da eine Rolle?

Fräßdorf: Man kann durchaus Muster erkennen. Ingenieuren geht es während der Promotion oft finanziell besonders gut, Sprach- und Kulturwissenschaftler stehen meist schlechter da.

ZEIT CAMPUS: Wie kommt das?

Fräßdorf: Ein Grund ist, dass Ingenieure häufig eine volle Stelle als wissenschaftlicher Mitarbeiter oder in einem Unternehmen haben, während viele andere sich mit einer halben Stelle begnügen müssen.

ZEIT CAMPUS: Der Doktortitel wurde traditionell mit hohem Ansehen belohnt. Inzwischen haben wir mehrere Plagiatsaffären erlebt – ist der gute Ruf des Titels futsch?

Fräßdorf: Ehrlich gesagt: Wir wissen es noch nicht genau. Es liegt natürlich nahe, zu vermuten, dass das einen negativen Effekt hat. Aber wie es sich langfristig auswirkt, ist noch unklar. Wir schauen uns gerade an, wie die Promovierenden selbst die Debatte wahrgenommen haben. Sie erfahren ja, wie ihr Umfeld darauf reagiert, dass sie promovieren.

Dieser Text stammt aus dem ZEIT Campus Magazin, das am Kiosk erhältlich ist. Klicken Sie auf das Bild, um auf die Seite des Magazins zu gelangen.

ZEIT CAMPUS: Was kam dabei heraus?

Fräßdorf: Ein großer Teil hat das Gefühl, die Plagiate und die öffentliche Debatte darüber hätten dem Ansehen der Promotion geschadet. Darauf deuten zumindest erste Ergebnisse hin.

ZEIT CAMPUS: Eine Promotion birgt auch das Risiko des Abbruchs. Warum geben manche auf?

Fräßdorf: Etwas, das als große Belastung empfunden werden kann, ist eine unsichere Finanzierung. Man muss sich darauf einstellen, immer wieder neue Geldquellen zu suchen.

ZEIT CAMPUS: Warum?

Fräßdorf: Die Stellen für wissenschaftliche Mitarbeiter sind befristet, und auch die Stipendien der großen Förderwerke enden oft nach maximal drei Jahren. Diese Zeit genügt in aller Regel nicht, um eine Promotion abzuschließen. Man muss sich also ständig kümmern, dass auch weiterhin Geld hereinkommt. Außerdem kann es ganz schön belastend sein, neben der Dissertation noch einer Aufgabe am Lehrstuhl oder an einer außeruniversitären Einrichtung nachzugehen.