Wer keinen Studienplatz bekommt, weil die Abi-Note nicht ausreicht, kann sich Hilfe vom Anwalt holen. Ist das in Ordnung?

Nein

Ob und was jemand studiert, darf nicht von Papis Gehalt abhängen. Die Abi-Note und das Auswahlverfahren der Universität müssen entscheiden, wer einen Studienplatz bekommt. So ist das nun mal bei Fächern, die zulassungsbeschränkt sind. Es gibt dazu keine gerechte Alternative.

Natürlich bedeuten gute Noten nicht unbedingt, dass man auch in dem angestrebten Beruf gut sein wird. Es kann aber nicht angehen, dass die Kinder reicher Eltern sich bei einer schlechten Abi-Note einfach einklagen und den Auswahlprozess damit umgehen. Diejenigen, deren Eltern sich eine Klage nicht leisten können, sind vielleicht sogar klüger als die Kinder reicher Eltern. Vielleicht wären sie auch die besseren Ärzte – aber sie werden benachteiligt, wenn Geld und Anwälte entscheiden, wer einen Studienplatz bekommt und wer nicht. Das ist unfair und widerspricht dem Grundsatz der Chancengleichheit.

Dieser Text stammt aus dem ZEIT Campus Magazin, das am Kiosk erhältlich ist. Klicken Sie auf das Bild, um auf die Seite des Magazins zu gelangen.

Die Universitäten vergeben aus gutem Grund nur eine bestimmte Zahl an Studienplätzen. Bei zu vielen Studenten pro Semester kann die Qualität der Lehre nicht mehr garantiert werden. Im schlimmsten Fall müssten Studenten in überfüllten Hörsälen einander auf dem Schoß sitzen. Auch Unis, die ihre Kapazität nicht von vornherein bis auf den allerletzten Stuhl ausreizen, werden sich dabei etwas gedacht haben. Ich meine: Voll ist voll, auch wenn Juristen hier und da noch Freiraum sehen.

Jemand, der keinen Studienplatz bekommt, sollte etwas anderes probieren: sich im Ausland bewerben, in den Wartesemestern eine Ausbildung machen oder aufs Losverfahren hoffen. Und sich überlegen, ob das Fach überhaupt das richtige ist. In einem Fall kann ich Klagen verstehen: wenn man einen Bachelor gemacht hat und nicht in den Master kommt, den man aber braucht, um im Beruf zu arbeiten – wie zum Beispiel bei Psychologen oder Lehrern wie mir. Dann würde auch ich klagen.

Lena Kessler, 23, studiert Lehramt für Gymnasien an der Universität Dresden