Diesen Sommer mussten die Archäologen der Universität Erlangen-Nürnberg ihre eigenen Arbeitsplätze ausgraben. Über Nacht waren mehrere Kilo Putz aus der Decke gebrochen. Faustgroße Brocken zerstörten Computer und zerschlugen stehen gebliebene Untertassen, die Schreibtische waren am Morgen mit Schutt und Staub bedeckt. Seitdem besteht Helmpflicht im Gebäude der Philosophischen Fakultät, länger als 30 Minuten darf sich dort niemand aufhalten. Wo im letzten Semester noch Studenten für Sprechstunden und Prüfungen ein und aus gingen, stehen jetzt Wachleute und passen auf, dass nur Mitarbeiter das Gebäude betreten. Das bayerische Wissenschaftsministerium hat 1,5 Millionen Euro für eine Notsanierung zur Verfügung gestellt – eine Investition, die notwendig sei, um "eine Gefährdung für Leib und Leben auszuschließen". So steht es im Gutachten des Staatlichen Bauamts Erlangen-Nürnberg. Im Sommersemester 2014 soll das Gebäude wieder zugänglich sein.

Die Angestellten der Universität Erlangen-Nürnberg hatten noch Glück: Es ist längst nicht überall so, dass die Unis das nötige Geld für wichtige Reparaturarbeiten bekommen. Marode sind Hochschulen überall in Deutschland. ZEIT CAMPUS hat bei allen 16 Bundesländern nachgefragt. Fast ausnahmslos heißt es: Ja, manche Gebäude sind baufällig. Ja, die Hochschulen müssen dringend renoviert werden. Viele Gebäude wurden in den 1960er und 1970er Jahren errichtet. Seitdem ist die Zahl der Studenten stark gestiegen, die Ausgaben wuchsen. Auch deshalb fehlt den Unis Geld für die Instandhaltung.

Wie viel für die Reparaturen an allen Hochschulen nötig ist, lässt sich nicht genau sagen. Der Wissenschaftsrat, ein Gremium, das die Politik berät, errechnete 2009 eine Summe von 30 Milliarden Euro. Inzwischen sei diese Zahl veraltet, heißt es von dort, und eine neue gebe es nicht. Fragt man bei den Universitäten nach, bekommt man nicht den Eindruck, dass die Summe deutlich gesunken ist. Im Gegenteil: An vielen Unis sind in den vergangenen Jahren neue Probleme aufgetreten.

Zum Beispiel in Kiel: Dort musste im letzten Jahr die Schwimmhalle der Universität geschlossen werden. Mehrere Wochen lang war chlorhaltiges Wasser aus dem Becken ins Grundwasser gesickert. Keiner weiß, wie viel genau. Eine Gesundheitsgefahr sei dadurch nicht entstanden und das Leck inzwischen gestopft, sagt Boris Pawlowski, der Uni-Sprecher. Doch auch heute bestehe auf dem Kieler Campus noch Sanierungsbedarf von mindestens 165 Millionen Euro. "Die Mängel reichen von Schimmelbefall wegen undichter Wände über veraltete Leitungs- und Heiztechnik bis hin zu kaputtem Mobiliar in Hörsälen. Auch unterirdische Kanäle und Leitungsschächte sind campusweit sanierungsbedürftig", sagt Pawlowski.

Oder in Bochum: Dort brach in diesem Jahr bei den Vorbereitungen des Sommerfestes ein Gabelstapler auf dem zentralen Platz der Uni ein und musste geborgen werden. Die Bodenplatten waren marode und schlecht verlegt. Dass sie beim Darüberlaufen klappern, gehöre zum "typischen Campus-Sound" der Ruhr-Universität, heißt es im dortigen Pressereferat.