Ich bin nach dem Bachelor durch Kanada gereist. Das war die beste Entscheidung meines Lebens. Ich kannte niemanden und war komplett auf mich allein gestellt – das war eine großartige Erfahrung. Nach der Reise habe ich keinen Master angefangen, weil die Bewerbungsfristen gerade vorbei waren. Das wusste ich zwar, wollte meinen Aufenthalt aber nicht verkürzen. Zurück in Deutschland bewarb ich mich spontan auf eine Stelle als Filialleiterin in einem Modegeschäft, wo ich während des Studiums gearbeitet hatte. Ich bekam eine Zusage. Einen Master mache ich vielleicht später. Aber wer arbeitet mit 24 Jahren schon in einer Führungsposition?

Katharina Weber, 24, wollte nach ihrem Studium der Kommunikationswissenschaft in Münster erst mal die Welt sehen

Eigentlich war es nicht mein Plan, im Großhandel meines Vaters mitzuarbeiten. Aber pünktlich zu meinem Bachelorabschluss in Wirtschaftsingenieurwesen brauchte mein Vater Unterstützung, und ich stieg in die Firma ein. Als Sohn des Chefs bin ich jetzt quasi für alles zuständig: Netzwerken, EDV, Vertrieb, Kundenbetreuung. Falls ich mich doch noch mal auf einen anderen Job bewerben sollte, fühle ich mich auf dem Arbeitsmarkt mit dem Bachelor ganz gut aufgestellt. Zwar fehlt mir die akademische Spezialisierung, aber ich kann zwei Jahre mehr Berufserfahrung vorweisen als Masterstudenten. Ein Masterstudium hat sicher Vorteile, für mich war es aber nichts.

Julian Kahl, 27, hat es gereicht, während seines Bachelors an der TU Darmstadt pleite zu sein. Jetzt verdient er im Unternehmen seines Vaters

Für einen Master oder gar einen Job im Marketing reichte mein Bachelor in der Kommunikationswissenschaft inhaltlich nicht aus. Deshalb habe ich mich für einen zweiten Bachelor entschieden. An der FH Münster studiere ich jetzt BWL. Das Studium ist viel praxisorientierter und ergänzt das, was ich vorher an der Uni gelernt habe. Außerdem ist das Themenspektrum in BWL viel größer und fordert mich mehr: Hatte ich an der Uni sechs Veranstaltungen die Woche, waren es an der FH im ersten Semester gleich siebzehn. Die Entscheidung war genau richtig, und mit beiden Abschlüssen bekomme ich bestimmt einen Job. Einen Master möchte ich jedenfalls nicht mehr machen.

Svetla Simeonova, 24, fühlte sich nach ihrem Studium an der Uni nicht qualifiziert genug. Statt einen Master zu machen, wechselte sie an die FH

Ich wollte immer schon über Sport schreiben. Weil mir praktische Erfahrungen dafür wichtiger erschienen, als einen Master zu machen, habe ich schon während des Studiums bei Tageszeitungen gearbeitet und mich nach dem Abschluss von Praktikum zu Praktikum gehangelt. Das zahlte sich aus: Mein Volontariat bei Borussia Mönchengladbach bekam ich auch ohne Master. In der Medien- und Kommunikationsabteilung bin ich jetzt unter anderem für die Homepage des Vereins zuständig. Ich arbeite viel mit den Fußballern zusammen, führe Interviews oder schreibe Berichte. Mit der Arbeit bin ich absolut zufrieden – und lerne mehr als im Studium.

Florian Waldkötter, 25, hat Germanistik und Geschichte in Düsseldorf studiert. Jetzt volontiert er bei einem Fußballbundesligisten