Dieser Text stammt aus dem ZEIT Campus Magazin, das am Kiosk erhältlich ist. Klicken Sie auf das Bild, um auf die Seite des Magazins zu gelangen.

In der guten alten Zeit gab es eine gute alte Regel, die da lautete: Dienst ist Dienst, und Schnaps ist Schnaps. Die Regel war nicht ohne Ausnahme: Manche tranken im Dienst, andere schufteten am Feierabend.

Aber erst die neuen elektronischen Kommunikationsmittel, das Smartphone an vorderster Stelle, haben dazu geführt, dass sich der Dienst planmäßig dort breitmacht, wo früher der Schnaps ganz alleine herrschte – beziehungsweise irgendein anderes Hobby, die Familie zum Beispiel, der Ehestreit oder was man stattdessen sonst seiner Freizeit zugerechnet hat.

Der Altmensch war nach Dienstschluss offline, heute gilt es als Kennzeichen des engagierten Arbeitnehmers, ständig erreichbar zu sein. Das macht einerseits nervös (und manche Firmen haben den Unfug zum Glück auch schon wieder abgestellt), aber vor allem fördert es andererseits die Umkehrfolge, auch den Dienst als eine Art Schnapszeit zu betreiben, nämlich mit einem rauschhaft gesteigerten Anspruch auf Selbstverwirklichung, der dort wirklich nichts zu suchen hat.

Der quengelige Chef, der seine Leute bis in die Nacht hinein verfolgt, hat ein Pendant: Das ist der überengagierte Angestellte, der rund um die Uhr seine fiebrigen Initiativen entfaltet, die am Ende doch nur der Entfaltung seines Egos dienen.

So etwas kannte man früher lediglich vom Journalismus. Allen anderen Branchen sollte man sehr dringend abraten, von den Medien zu lernen.