Denis Moschitto, 36, sieht kleiner aus als im letzten "Tatort" und ein bisschen dicker. Nicht, weil er so gerne isst, sondern weil eine neue Rolle es von ihm verlangt. Er rümpft die Nase, als wir die Kölner Mensa betreten. "Immer dieser Geruch", sagt er. Moschitto war hier in Philosophie eingeschrieben. Die Mensa ist voll, aber niemand dreht sich nach ihm um, obwohl er in mehreren Kinofilmen die Hauptrolle spielte (zum Beispiel in Kebab Connection an der Seite von Nora Tschirner). Moschitto findet das gut so: Er beobachtet gern andere Leute und macht ihre Ticks nach. Er sei nicht gemein, sagt er. Er wolle nur ausprobieren, wie sich das anfühlt, wenn man Zuckungen hat oder einen Dialekt.

ZEIT Campus: Sie sollen öfter in der Mensa gewesen sein als im Hörsaal, stimmt das?

Denis Moschitto: Ja. Aber ich war als Student nicht mal viel in der Mensa. Das sagt einiges darüber aus, wie oft ich in der Uni war.

ZEIT Campus: Haben Sie nicht gerne studiert?

Moschitto: Ich sage immer, ich habe mein Studium abgebrochen. Aber das ist eine maßlose Übertreibung. Meinen Eltern war es wichtig, dass ich studiere. Nur deshalb habe ich mich eingeschrieben, habe morgens das Haus verlassen und bin abends wiedergekommen. In Wirklichkeit habe ich in der Zeit damit angefangen, Theater zu spielen.

ZEIT Campus: Sie haben keine einzige Vorlesung besucht?

Moschitto: Ich war wirklich fast nie hier. Ich habe nicht eine einzige Klausur geschrieben. Aber ich habe immerhin vier Jahre lang die Semestergebühren bezahlt.

ZEIT Campus: Warum das Ganze?

Moschitto: Meine Mutter kommt aus Ostanatolien. Sie musste sich ihre Ausbildung hart erkämpfen. Mein Vater kam als italienischer Gastarbeiter nach Köln. Bildung war für beide ein Privileg, das sie selbst nicht genossen haben. Es war keine Frage, dass ich studiere. Das stand fest. Meine Eltern wollten stolz auf ihre Kinder sein und sagen können: "Seht her, sie sind Akademiker geworden." Schauspielerei stand natürlich ohnehin nicht zur Debatte.

ZEIT Campus: Haben Ihre Eltern Sie nie danach gefragt, was Sie an der Uni gerade machen?

Moschitto: Nein, das hat sie nicht interessiert. Und ich bin auch nie von selbst darauf eingegangen. Heute sind meine Eltern übrigens froh darüber, was ich mache.

ZEIT Campus: War es Zufall, dass Sie sich für Philosophie eingeschrieben haben?

Moschitto: Nein, dafür interessiere ich mich wirklich sehr. Besonders für Arthur Schopenhauer. Aber damals war ich Anfang 20 und dachte, ich kann mir das alles besser selbst beibringen, als in der Vorlesung zu sitzen. Außerdem habe ich jede Chance genutzt, um auf der Bühne zu stehen. Ich hatte keine Zeit fürs Studium.

Dieser Text stammt aus dem ZEIT Campus Magazin, das am Kiosk erhältlich ist. Klicken Sie auf das Bild, um auf die Seite des Magazins zu gelangen.

ZEIT Campus: Wie haben Sie gelernt zu schauspielern?

Moschitto: Ich habe ein paar Coachings gemacht, und die Kollegen am Theater haben mir unter die Arme gegriffen. Zu Hause habe ich Texte laut gelesen, mir einen Korken zwischen die Zähne geschoben und versucht, deutlich zu sprechen. Ich komme aus Bickendorf, einem Arbeiterviertel hier in Köln. Und ich habe so gesprochen, wie man in Bickendorf eben auf der Straße spricht. Das war nicht schön. Diesen Asi-Sprech musste ich mir abgewöhnen.

ZEIT Campus: Der Rest kam von selbst?

Moschitto: Schauspielerei kann man nicht unbedingt lernen. Wenn man einen Schauspieler fragt: "Wie hast du das gemacht, warum ist das so großartig?", dann wird das niemand erklären können. Kein Schauspieler weiß, wie er macht, was er macht. Das ist Intuition.