Die deutschen Unis wehren sich mit Zulassungsbeschränkungen gegen die Studentenflut. Ist das ein Problem?

JA

Versiffte Zweckbauten, unendliche Mensaschlangen, überfüllte Hörsäle: Ich kenne keinen, der die deutsche Massenuniversität liebt. Sicher wären komfortablere Studienbedingungen machbar: Man platziere einfach vor allen Fächern den Türsteher Numerus clausus (NC), der nur einen Teil der interessierten Studenten durchlässt. Das wäre konsequent, schließlich geht der Trend schon länger zur flächendeckenden Zulassungsbeschränkung. Aber ist das auch sinnvoll? Ich finde: Nein.

Dieser Text stammt aus dem ZEIT Campus Magazin, das am Kiosk erhältlich ist. Klicken Sie auf das Bild, um auf die Seite des Magazins zu gelangen.

Der NC, also die Begrenzung der Studienplätze, darf nicht zum Regelfall werden; wir sollten auf ihn verzichten, wo es nur geht. Denn sollte sich die Politik der geschlossenen Tür an den Unis einbürgern, hätten gerade Kinder von Nichtakademikern das Nachsehen. Auf den ersten Blick ist die Studienzulassung anhand von Noten, Tests und anderen Auswahlkriterien eine Frage der intellektuellen Leistungsfähigkeit; auf den zweiten Blick aber ist sie auch ein Instrument sozialer Selektion. Schon heute schafft es nicht einmal jedes vierte Kind von Nichtakademikern an die Hochschule – bei den Akademikerkindern schaffen es drei von vier. Von der Herkunft hängt hierzulande maßgeblich ab, ob jemand überhaupt zur Hochschulreife gelangt, mit welcher Note er abschließt – und auch, wie er sich im Auswahlgespräch mit dem Professor seines Wunschfaches schlägt. Und wer hat ohne den Rückhalt gut situierter Eltern schon das Durchhaltevermögen, sich durch zig Auswahlverfahren zu kämpfen, wenn es mit den ersten Bewerbungen nicht klappt?

Wahre Leistungsgerechtigkeit an den Hochschulen setzt eine Kultur der Ermutigung voraus, die explizit auf die sozial Schwächeren zielt. Dazu muss sich unser Bildungssystem an vielen Stellen verändern. Bis dahin ist die offene Universität – trotz all ihrer Zumutungen – das bessere Modell.

Von Franz Himpsl