10. Wie kann ich in einer Buchreihe veröffentlichen?

Noch besser, als seine Monografie bloß in einem guten Verlag unterzukriegen, ist es, sie in einer renommierten Buchreihe zu platzieren. Das ist wie ein Gütesiegel und bedeutet oft mehr Leser und mehr Zitierungen. Dafür fordern die Verlage allerdings auch eine herausragende Qualität der Arbeit. In der Regel müssen dafür die Gutachten der Prüfer eingereicht und Bestnoten nachgewiesen werden. Wer keinen Doktorvater hat, der seine Kontakte spielen lassen könnte, schaut sich sorgfältig um, in welche Reihen das eigene Thema passen könnte – und äußert seine Idee schon beim ersten Verlagskontakt.

11. Dissertationen, die es zu lesen lohnt (1): Geschichte

"Ich habe beim Lesen gar nicht gemerkt, dass ich eine Dissertation in der Hand halte. Das Kolosseum: Bewundert, bewohnt, ramponiert von Erik Wegerhoff ist ein hinreißend geschriebenes, vergnügliches Werk, verlässlich recherchiert und stilsicher. Der Autor unternimmt darin eine Zeitreise durch die abwechslungsreiche Geschichte eines leblosen Gemäuers. Das Kolosseum in Rom steht uns heute als Ruine vor Augen. Wegerhoff untersucht: Wie wird es in Szene gesetzt? Welche Spuren der Geschichte sind längst getilgt worden, was ist noch sichtbar? Er analysiert das Kolosseum als Brennspiegel der europäischen Geschichte. Ein Rezensent monierte, dass man in diesem Buch nicht erfährt, wann exakt das Kolosseum gebaut, wie lange daran gearbeitet worden ist und wie viele Menschen hineinpassten. Das finde ich aber gerade ansprechend an dieser Dissertation. Informationen, die ohnehin überall abrufbar sind, führen zu einem Übermaß an Empirie in wissenschaftlichen Arbeiten. Im Hochschulbetrieb wirkt es oft so, als gelte die Regel: Je sperriger ein Text ist, umso wissenschaftlicher ist er. Das sehe ich anders. Wegerhoff kann schreiben. Es ist ein Genuss, seine Dissertation zu lesen."

Andreas Beyer ist Professor für Kunstgeschichte an der Uni Basel. Er rät zur Dissertation von Erik Wegerhoff, die im Wagenbach Verlag erschienen ist

12. Was ist eine kumulative Dissertation?

Wer kumulativ promoviert, veröffentlicht seine Dissertation nicht als Buch, sondern in einzelnen Texten, die in Journalen erscheinen. Doktoranden der Chemie, Physik, Mathematik und Biologie verfassen oft von vornherein eine kumulative Dissertation. Oder sie versuchen im Nachhinein, die Ergebnisse ihrer Doktorarbeit in Journalen zu platzieren. Auch Psychologen, Rechts- und Wirtschaftswissenschaftler streben in der Mehrheit Journalveröffentlichungen an. Für Ingenieure und Informatiker sind Konferenzbeiträge der gefragteste Publikationstyp, also Vorträge mit Veröffentlichung in einem Tagungsband.

13. Was muss ich bei dieser Publikationsform beachten?

Wer seine Forschungsergebnisse in einem der englischsprachigen Journale mit besonderem Renommee veröffentlichen möchte, muss als Erstes einen Redakteur überzeugen. Wenn der an dem Thema Interesse hat, ist das aber noch nicht genug. Denn anschließend geht das Manuskript noch an drei bis fünf unabhängige Gutachter, die auf dem gleichen Fachgebiet forschen: Sie prüfen beim anonymisierten Peer-Review-Verfahren die Qualität des Beitrags und schätzen ein, ob die Ergebnisse zukunftsrelevant sind und wie sorgfältig gearbeitet wurde. Weltweit gibt es etwa 21.000 Zeitschriften, die dieses Verfahren anwenden. Bis man eine Rückmeldung erhält, können mehrere Monate vergehen. Selbst bestimmen darf man die Gutachter natürlich nicht, dafür aber manchmal solche blockieren, die zwar Experten auf dem Gebiet sind, aber auch zu den ärgsten Konkurrenten zählen. Geht der Prüfungsprozess positiv aus, kann man sich über reges Interesse, internationale Leser und Zitierungen freuen. Manchmal haben die Peer-Reviewer Änderungswünsche, ehe man eine zweite Chance bekommt. Wird der Artikel rundweg abgelehnt, hat man viel Zeit verloren. Dann besteht aber noch die Chance, zu einem weniger einflussreichen Journal zu gehen, das mit einer Editorial Review arbeitet, die Qualitätsprüfung also allein stemmt.

14. Dissertationen, die es zu lesen lohnt (2): Zahnmedizin

"Ein Piepen im Ohr und Schmerzen im Kiefer: Diese Kombination kommt bei Patienten häufiger vor. Aber hängen Tinnitus und Kiefergelenkprobleme auch zusammen? Es gibt Ärzte, die davon überzeugt sind – zu einem anderen Ergebnis kommt Constanze Bösels Dissertation mit dem Titel Chronischer Tinnitus und craniomandibuläre Dysfunktion. Oft beweist die eine Studie, was die andere widerlegt. Man muss deshalb immer schauen, wie die Studie entstanden ist. Die Ergebnisse von Bösel haben – Achtung, Fachwort! – ein hohes Evidenzlevel, beruhen also auf fundierten Erkenntnissen. Deshalb ist die Arbeit empfehlenswert. Bösel hat Patienten mit chronischem Tinnitusleiden zufällig zwei Therapiegruppen zugewiesen: Die einen haben eine Schiene eingesetzt bekommen, die Ruhe ins Kau-Organ bringen soll. Die andere Gruppe hat in einer Selbsthilfetherapie geübt, die Kiefermuskeln zu entspannen. Das Ergebnis der Studie: Die Kiefergelenkschmerzen haben in beiden Gruppen nachgelassen, der Tinnitus ist geblieben. Das ist für die Wissenschaft eine wichtige Erkenntnis. Dissertationen sind wie einzelne Mosaiksteinchen. Für den Laien ergeben sie kein Bild, für den Forscher stellen sie den Teil eines großen Bildes dar. Typisch für Spezialisten ist, dass sie in die Tiefe bohren, aber die Breite vergessen. Für den Laien ergäbe eine breit gefächerte Dissertation mehr Sinn. Die Titel von Dissertationen klingen oft weder interessant, noch sind ihre Ergebnisse ohne fachlichen Hintergrund verständlich, doch der Forschung können sie relevante Erkenntnisse liefern."

Ingrid Peroz leitet an der Berliner Charité die Abteilung für Zahnärztliche Prothetik. Die empfohlene Dissertation gibt es online unter bit.ly/campus_tinnitus

15. Was ist der "impact factor"?

Der Einfluss eines Journals bemisst sich in der Regel am impact factor . Er gibt Auskunft darüber, wie oft seine Artikel im Durchschnitt von Autoren in anderen Publikationen zitiert werden. Das Prinzip ist dabei ganz simpel: Je mehr Zitierungen, desto höher der impact factor, je höher der impact factor, desto angesehener das Journal. Eine Übersicht der Rankings gibt es im Journal Citation Reports unter bit.ly/campus_impact. Besonders genau schauen Forscher in den Naturwissenschaften und in der Medizin auf diese Rankings, sie gewinnen aber auch in anderen Fachgebieten an Bedeutung. Die Aussagekraft des Messwertes ist trotzdem umstritten. Zum Beispiel, weil Zitierungen der eigenen Arbeit in die Berechnung des Faktors einfließen, man also im Ranking belohnt wird, wenn man in späteren Texten möglichst oft auf die eigenen Vorarbeiten hinweist.