20. Wie funktioniert Open Access?

Open Access bedeutet zunächst einmal nur, dass eine Arbeit veröffentlicht wird, ohne dass die Nutzer dafür Gebühren bezahlen müssen. Das kann zum Beispiel auf privaten Homepages sein, auf Institutsseiten oder auf Dokumentenservern. Auch eine Veröffentlichung auf Facebook oder in einem Tumblr-Blog entspräche dem Prinzip, bloß ist dann fraglich, ob man die richtigen Leser erreicht. Damit das besser gelingt, gibt es inzwischen etwa 10.000 Open-Access-Zeitschriften. Mehr als die Hälfte ist durchsuchbar, sodass die eigenen Texte gut gefunden werden können. Auch Monografien werden zunehmend mit offenem Zugang veröffentlicht: Das Projekt Oapen der Europäischen Union unterstützt diese Publikationsform für Geistes- und Sozialwissenschaftler – und arbeitet dafür mit sieben Universitätsverlagen zusammen (oapen.org).

21. Muss ich mich bei der Veröffentlichung zwischen Print und Online entscheiden?

Nein, der Trend geht derzeit zum hybriden Publizieren: Dabei wird der eigene Text online auf einem Server des Verlags bereitgestellt – kann aber auch als gedrucktes Exemplar bestellt werden, weil viele eine umfangreiche Abhandlung nach wie vor lieber auf Papier lesen als am Bildschirm. Der Vorteil ist aber, dass sie durch die Onlineversion vielleicht überhaupt erst auf die Lektüre neugierig geworden sind.

22. Was bringt "ResearchGate"?

Das Soziale Netzwerk ResearchGate ist so was wie Facebook für Forscher. Seine Gründer sind zwar noch nicht so reich wie Mark Zuckerberg, aber immerhin gehört ihre Firma zu den erfolgreichsten Start-ups von Berlin. Seit 2008 haben sich mehr als vier Millionen Mitglieder in dem Netzwerk registriert. Im Grunde soll ResearchGate für sie so etwas sein wie eine Konferenz, die endlos weitergeht und niemals pausiert, ein permanentes Fachgespräch mit Kollegen. Es werden die Ergebnisse von Experimenten geteilt und diskutiert sowie Forschungsmethoden auf den Prüfstand gestellt. Anhand des Profils kann jeder einsehen, wo man studiert hat, welche Publikationen man auf der Plattform hochgeladen hat und wie viele Forscher einem folgen. Ein sogenannter Research-Score misst, wie die Qualität der eigenen Arbeit von anderen Nutzern bewertet wird. Wissenschaftsorganisationen wie das Max-Planck-Institut halten ihre Mitarbeiter dazu an, ResearchGate als Kommunikationsort zu nutzen. Gelobt wird vor allem die Chance einer schnellen und direkten Rückmeldung. Kritiker sagen, der Score sei nicht aussagekräftig und das System nicht objektiv. Wer aber Leser für seine Doktorarbeit gewinnen will, könnte sie auf ResearchGate finden.

23. Dissertationen, die es zu lesen lohnt (4): Kunstgeschichte

"Sollte man so etwas heute als Promotion einreichen? Besser nicht. Die schmale Schrift, nur gut hundert Seiten dünn, fände in den Augen akademischer Gutachter keine Gnade. Der Stil, würde es heißen, sei umständlich und gespreizt, der Ton hochfahrend, der Schluss dunkel und das ärmliche Sortiment an Sekundärliteratur eine Frechheit. Und die Drittmitteltauglichkeit? Keine. Als Walter Benjamins Dissertation Der Begriff der Kunstkritik in der deutschen Romantik 1919 erschien, war das Echo überschaubar, kaum jemand kannte den 27-Jährigen, den man heute zu den großen Philosophen des 20. Jahrhunderts zählt. Scheinbar beiläufig beschreibt er die romantische Idee der Kunstkritik. Wahre Kritik sei "die Vollendung des Werks" und die Darstellung seines "prosaischen Kerns". Dieser Satz klingt völlig harmlos und ist doch hochpolitisch. Benjamin forderte nicht weniger als die Befreiung der Kunst aus dem Gefängnis der bürgerlichen Eliten. Ästhetische Erfahrung statt sinnleere bürgerliche Kunstreligion: Das war der Slogan für die Achtundsechziger, und so hatte Walter Benjamin, im Guten und zuweilen auch im Schlechten, einer ganzen Regie-Generation an Theatern und Opernhäusern das Stichwort geliefert."

Thomas Assheuer ist Literaturkritiker im Feuilleton der ZEIT. Er empfiehlt die Dissertation Benjamins, online unter bit.ly/campus_benjamin