Ist das Tanja von Lahnstein? Nein! Miriam Lahnstein. Die Schauspielerin, 40, wird oft mit ihrer Rolle verwechselt. Sie ist das intrigante Biest bei "Verbotene Liebe". Und zwar: jeden Tag, seit dem Beginn der Serie vor zwanzig Jahren. Zwischendurch hat sie pausiert, um in Düsseldorf Psychologie zu studieren –Tanja wurde für diese Zeit auf eine einsame Insel verbannt. Als wir in der Caféteria Platz nehmen, werden wir unterbrochen. Eine Studentin bleibt stehen, schlägt dramatisch die Hände vorm Gesicht zusammen und sagt: "Oh mein Gott, ich gucke die Serie jeden Tag. Krass! Also, ’Tschuldigung, dass ich dich einfach anspreche, aber ich find’s so krass gerade!"

ZEIT Campus: Oha!

Miriam Lahnstein: Süß, oder?

ZEIT Campus: Ich habe gelesen, dass Sie letztes Jahr in einem Supermarkt angegriffen worden sind, weil eine Frau sauer auf Tanja war.

Lahnstein: In den Zeitungen stand sogar, die Frau habe mir die Haare ausgerissen. Nichts davon ist passiert. Vor vielen Jahren hat mir eine Frau bei einer Autogrammstunde eine Ohrfeige gegeben, weil Tanja so schlimm mit den Männern umgesprungen ist. Das hat ein Journalist jetzt noch mal aufgewärmt und ausgeschmückt – und viele Zeitungen haben es gedruckt. Ich habe danach eine E-Mail an meine Freunde geschrieben: "Keine Sorge, meine Haare sind noch dran, mir geht’s gut, und im Supermarkt war ich auch nicht."

Dieser Text stammt aus dem ZEIT Campus Magazin 6/14, das am Kiosk erhältlich ist.

ZEIT Campus: Kann man ja mal verwechseln, wer wer ist: Seit fast 20 Jahren sind Sie als die intrigante Tanja täglich in der ARD zu sehen.

Lahnstein: Bei anderen Schauspielern haben die Leute vielleicht mehr Respekt und wissen, dass die Rolle Teil ihres Berufs ist. Das ist bei mir anders. Ich gehöre zum Leben der Zuschauer. Wenn sie mich sehen, denken sie: "Das ist die Tanja", nicht: "Die spielt die Tanja". Deshalb werde ich auch so oft als Tanja angesprochen.

ZEIT Campus: Warum hat Ihre Rolle denselben Nachnamen wie Sie – nur mit einem "von"?

Lahnstein: So genau weiß ich das gar nicht. Ich war zu der Zeit beurlaubt und bekam einen Anruf von einer Producerin: "Wir haben eine neue Adelsfamilie und nennen sie ›von Lahnstein‹." Gefragt wurde ich nicht. Als Tanja später geheiratet hat, wurde sie zu einer "von Lahnstein". Wenn der Regisseur heute ruft: "Alle Lahnsteins hierher", finde ich das komisch. Die Lahnsteins sind für mich nicht die Kollegen, sondern meine Familie. Ansonsten stört mich das nicht – aber selbst meine Kinder bekommen auf Klassenlisten und beim Sportverein immer ein "von" verpasst.

ZEIT Campus: Verbringen Sie unter der Woche mehr Zeit als Tanja oder als Miriam?

Lahnstein: Wenn es schlecht läuft, dann mehr als Tanja.

ZEIT Campus: Wie eng ist Ihr Verhältnis zu der Rolle?

Lahnstein: Ich bewundere sie sehr, wenngleich ihre Charakterzüge mir oft zuwider sind. Sie spinnt Intrigen, ihr geht es nur um Macht, und wenn es ihr zu eng wird, verlässt sie die Männer. Aber sie entspannt mich.

ZEIT Campus: Wie denn das?

Lahnstein: Wenn ich morgens schlecht gelaunt bin, kann ich das als Tanja alles rauslassen.

ZEIT Campus: Sie waren schon bei "Verbotene Liebe", als Sie ein Psychologiestudium anfingen. Warum wollten Sie doch noch studieren?

Lahnstein: Ich habe ein Jahr nach dem Abitur bei Verbotene Liebe angefangen und hatte irgendwann das Bedürfnis, meinen Kopf mal mit was Richtigem zu füttern. Immer nur Text lernen, das war mir auf Dauer zu einfach.

ZEIT Campus: Und, wie war das Studentenleben?

Lahnstein: Der Kennenlerntag war schrecklich: Wir wurden durch die Uni geführt, es bildeten sich Grüppchen, die Leute unterhielten sich, und ich stand die meiste Zeit allein da und wurde nur angestarrt. Erst nachdem die anderen mich öfter an der Uni gesehen haben, wurde es für sie normaler und für mich auch.

ZEIT Campus: Waren Sie richtig bei Vorlesungen?

Lahnstein: Jaja, klar. In der Serie habe ich mich für drei Jahre rausschreiben lassen, um Zeit zu haben. Im letzten Jahr an der Uni habe ich parallel gedreht und meine Diplomarbeit geschrieben.

ZEIT Campus: Das Thema Ihrer Arbeit war "Stressbewältigung am Arbeitsplatz bei den Mitarbeitern der Verbotenen Liebe". Das hat Ihr Professor Ihnen abgenommen?

Lahnstein: Der fand das spannend. Die meisten Kollegen bei der Serie haben mitgemacht, ich hatte also genug Probanden. Das Ergebnis war: Die Crew beim Außendreh hat am meisten Stress, die Schauspieler am wenigsten.