ZEIT Campus: Herr Groen, muss man für ein Masterstudium mehr Kosten einplanen als für einen Bachelor?

Heiko Groen: Im Prinzip sind die Kosten im Master die gleichen wie im Bachelor. Aber wenn man 25 Jahre alt wird, gibt es kein Kindergeld mehr, und dann kann man sich auch nicht mehr über die Familie krankenversichern. Man muss das als Student selbst tun. Bei allen gesetzlichen Kassen zahlt man 78 Euro für Kranken- und Pflegeversicherung. Wer älter als 30 Jahre ist und mehr als 14 Semester studiert hat, bekommt bei der gesetzlichen Kasse in der Regel keinen Studententarif mehr. Bafög-Bezieher erhalten als Ausgleich aber 73 Euro mehr. Für Beamtenkinder und Privatversicherte gelten nochmals andere Regeln.

ZEIT Campus: Wie kann man die Kosten ausgleichen?

Groen: Wenn man Geldprobleme hat, kann man sich an die Studentenwerke wenden. Sie bieten eine Sozial- und manchmal auch eine Studienfinanzierungsberatung an.

ZEIT Campus: Bekommt man Bafög, wenn man nach dem Bachelor Pause gemacht hat?

Groen: Die Deadline für Bafög ist das 35. Lebensjahr. Wer den Master also davor beginnt, kann Bafög beantragen.

ZEIT Campus: In welchen Fällen erhält man kein Bafög für den Master?

Groen: Wenn man davor ein Staatsexamen oder Diplom gemacht hat, gilt der Master als nicht förderbares Zweitstudium. Auch wenn man als Single mehr als 5.200 Euro Vermögen hat, sogar Autos zählen dazu, wird das auf den Bedarf angerechnet.

ZEIT Campus: Kann die Aufforderung zur Rückzahlung während des Masters kommen?

Groen: Ja, die Rückzahlung beginnt fünf Jahre nach der Regelstudienzeit des Bachelorstudiums – unabhängig davon, wie lange man wirklich gebraucht hat. Aber man muss nicht zurückzahlen, wenn man im Master wieder Bafög bekommt oder nach dem Abschluss nur bis zu 1.070 Euro netto verdient. Solange rechtzeitig Stundungsanträge gestellt werden und das Bundesverwaltungsamt einen immer postalisch erreichen kann, wird es auch nicht teurer, nur weil man später zurückzahlt. Das reguläre Bafög-Darlehen ist generell zinsfrei.

ZEIT Campus: Und wie kann man den Master sonst noch finanzieren?

Groen: Mit Stipendien, die es vor allem für politisch und sozial engagierte und leistungsstarke Studenten gibt. Auch Arbeiterkinder oder Migranten können gefördert werden. Man muss im Regelfall nichts zurückzahlen. Außerdem gibt es das Deutschlandstipendium, das das Bafög ergänzt. Wie hoch hier die Chancen auf ein Stipendium sind, hängt von der Hochschule ab. Sie muss die privaten Stifter oder Unternehmen finden, die eine Hälfte des Stipendiums übernehmen. Gute Kontakte der Hochschule können da hilfreich sein. Die andere Hälfte kommt vom Staat.

ZEIT Campus: Wie sinnvoll ist es, einen Kredit aufzunehmen?

Groen: Der Studienkredit ist zunächst ein bequemer Ausweg, aber später hat man erhebliche Schulden. Das muss einem klar sein.

ZEIT Campus: Woran erkennt man seriöse Kredite?

Groen: Ich finde es unseriös, wenn mit günstigen Zinsen geworben wird, die sich aber nur auf die Zeit des Studiums beziehen, während in der Rückzahlungsphase höhere Zinsen gelten. Vorsicht ist auch geboten, wenn Zinssätze in der Rückzahlungsphase offengelassen werden, weil sie sonst beliebig hoch angesetzt werden können.