An einem Donnerstagmorgen im August ist der bestgelaunte Mann im Showbusiness für zwei, drei Minuten richtig mies drauf. "Ich bin MC Fitti mit dem Bart", liest er von einem Laptop ab, während er auf der Armlehne einer Ledercouch in einem Kreuzberger Hinterhofstudio balanciert, "und ich wünsche dem Saturn alles Gute zum Start. Alles neu, alles lässig, alles fetzig, alles toll ..." Er stellt den Laptop weg. "Das ist doch schwul", sagt er, "wie behindert ist das? Das kann ich nicht – das ist kein Rap, sondern wie vor dem Weihnachtsbaum ein Gedicht aufsagen." Er steht auf. "Ich geh erst mal pissen." Und dann, schon wieder mit einem Grinsen im Gesicht: "Wie immer, ne?"

MC Fitti, ein übergewichtiger Enddreißiger mit Vollbart, Schirmmütze und Sonnenbrille, ist einer der erfolgreichsten Rapper in Deutschland. Und einer der entspanntesten. Andere üben so lange, bis ihr Rap fließt wie Wasser. MC Fitti hingegen tappst über den Beat, als wäre er Balu der Bär, stößt hier mal an und da mal an, vergisst sogar zu reimen – und erschafft dabei penetrante Ohrwürmer.

Als sein Song 30 Grad im Sommer 2012 zu einer YouTube-Sensation mit mehr als fünf Millionen Abrufen wurde, dachten viele, Fitti sei ein One-Hit-Wonder. Dann landete sein erstes Album #Geilon auf Platz zwei der Charts, er spielte auf großen Festivals, drehte eine Fernsehshow, schrieb ein Buch und arbeitete an Peace, seinem zweiten Album, das ebenfalls in die Top Ten einstieg.


Doch auch für einen Rapper ohne Hang zum Perfektionismus gibt es Dinge, die unter seiner Würde sind. Zum Beispiel dieser Radiowerbespot für eine neue Saturn-Filiale in Berlin. Wörter wie "Neueröffnungsparty" haben ihm die Werbeleute in den Text geschrieben und "Hammer-Neueröffnungsangebote" – das soll er jetzt rappen. Es soll so klingen, wie sich Leute, die davon keine Ahnung haben, Hip-Hop vorstellen, irgendwie lässig und cool. Stattdessen klingt es: maximal verkrampft, spießig, doof.

So platt ist er gar nicht

Zurück vom Klo, stellt sich MC Fitti in die schalldichte Aufnahmekabine, in der er bis vor einigen Wochen noch an Peace gearbeitet hat. "Geht nicht gibt’s nicht", sagt er und improvisiert, ganz ohne Reime: "Saturn, Alter, ich wünsche euch alles erdenklich Liebe zum Start! Die Party wird mega-ravy, lasst uns nackt ums Lagerfeuer tanzen!" Es ist nicht das, was die Werbeleute bestellt haben, aber es klingt irgendwie lässig und cool. Einige Tage später läuft der Spot im Radio. MC Fitti hat mal wieder intuitiv alles richtig gemacht.

Wenn er von den Plakatwänden der Großstädte grinst (wie im Herbst zur Veröffentlichung von Peace), oder Selfies mit breitem Grinsen postet (wie ungefähr jeden Tag auf Instagram und Facebook), wirkt MC Fitti platt – aber das täuscht. Er ist eine der schillerndsten und widersprüchlichsten Figuren in der deutschsprachigen Popmusik.

Kaum eine Musikszene ist so gnadenlos wie der Berliner Rap. Wer falsch auftritt, wird gedisst, manchmal gibt es Schläge. Zur Hochphase von Aggro Berlin vor einigen Jahren rätselten Kritiker, wann es die ersten Berliner Rap-Toten geben würde, einen deutschen Tupac oder Biggie Smalls. Dann kam MC Fitti, der lustige Onkel mit dem Bart. Andere rappen: "Ich halte die Gun in dein Face, Bitch" (Kollegah) oder "Du weißt, dass ich Babo bin, weil ich deine Mutter fick" (Farid Bang). MC Fitti rappt: "MC Fitti, ich reite auf Delfinen, rote, gelbe, blaue, grüne." Dazu tanzt er durch ein Musikvideo mit Flamingos, mit Palmen und mit Delfinen, roten, gelben, blauen, grünen.