Robin Schellenberg konnte seine Gäste nicht mehr ertragen: Touristen, die mit dem Taxi vorfuhren und manchmal schon betrunken waren, bevor sie seinen Kellerclub überhaupt betreten hatten. Leute, die es kaum heil die Treppe herunterschafften, die laut grölten und an der Bar mit Kreditkarte zahlen wollten. Die Schellenberg den Laden vollkotzten. Die seinen Traum zu zerstören drohten.

Das war im März 2010, Robin Schellenberg war 25 Jahre alt und hatte sich gerade seinen Aussteigertraum erfüllt: einen kleinen Club in Berlin-Neukölln mit abgerissenen Tapeten, Livemusik und Bier. Mit zwei Freunden hatte er ein altes Fahrradgeschäft mit Kellerzugang gemietet, eine Theke gezimmert und den Laden Fuchs & Elster genannt, nach seinen Kindheitshelden aus der Sendung Unser Sandmännchen. Anfangs stand er jeden Sonntag selbst hinter der Theke, schenkte Bier aus, trank Schnaps mit den Gästen und schaute der Menge zu, beim Schwitzen und beim Tanzen. Morgens wischte er den Dreck vom Boden. Es war ein Club im engeren Sinne des Wortes: ein Treffpunkt für Vertraute.

Dann kamen die Touristen. Wie Eindringlinge mischten sie sich zwischen die Künstler, Alternativen und Kiezbewohner, so schildert es Schellenberg heute. Sie waren so viele – und wurden immer mehr. Robin Schellenberg brauchte eine Weile, bis er herausfand, warum das Fuchs & Elster plötzlich so angesagt war. Schuld waren 24 Wörter: "The ramshackle Neukölln watering hole has a large hidden basement club in the back and hosts live bands and parties several nights a week. "

Dieser Text stammt aus dem ZEIT Campus Magazin 3/15, das am Kiosk erhältlich ist.

Der Club war ein Reisetipp im Traveller-Magazin, dem Bordheft der Billigfluglinie easyJet. Vier Wochen lang klemmte die Ausgabe in den Sitztaschen jedes Fliegers der Airline. In dieser Zeit flogen vier Millionen Menschen mit easyJet. Macht vier Millionen potenzielle Leser. Genug Menschen, um einen kleinen Kellerclub völlig zu verändern. "Die Touristen haben meinem Club einen Teil seiner Seele genommen", sagt Schellenberg heute.

Bei unter 30-Jährigen gilt Berlin als die beliebteste Metropole Europas, weltweit nur noch von Toronto getoppt, das hat die Youthful Cities-Studie ergeben. Im Jahr 2014 reisten 4,5 Millionen Menschen aus dem Ausland nach Berlin, jeder dritte war jünger als 30 Jahre. Viele fliegen mit Billigairlines wie Ryanair oder easyJet und bleiben nur ein paar Tage. Kaum angekommen, wollen sie all das erleben, wofür Berlin bekannt ist: die Mauer, die Galerien, vor allem aber Nachtclubs wie das Fuchs & Elster – ranzig, klein und gut versteckt. Orte, von denen man zu Hause seinen Freunden erzählen kann. Die Marketingbeauftragten von Berlin befragten vor einigen Jahren Touristen, welche kulturellen Attraktionen sie in die Stadt locken. Das Ergebnis: Clubs landeten nach Museen auf Platz zwei der meistgenannten Reisegründe.