Als Studentin kaufte sie sich einen goldenen Porsche.

Der Ort: die Musikmensa der Humboldt-Uni in Berlin-Mitte. Genauer: das sechs Quadratmeter große Büro der Kantinenchefin – hier sind wir ungestört. Es ist 12 Uhr mittags, und Palina Rojinski, 29, ist eine halbe Stunde zu spät. "Ich habe im Parkhaus 20 Minuten nach einem Parkplatz gesucht", sagt sie. Rojinski hat hier Literatur und Geschichte studiert, dann wurde sie Moderatorin beim Musiksender MTV, das war ihr erster Job im Fernsehen. Sie wurde Sidekick von Joko und Klaas bei "Circus Halligalli", heute hat sie eigene Sendungen, sitzt in der Jury der Castingshow "Got to Dance"*, schauspielert, und als Palina Power legt sie Platten auf. Sie kam aus dem Nichts, heute ist sie überall. Wie schafft sie es, so erfolgreich zu sein?

ZEIT Campus: Sind Sie auch als Studentin schon mit dem Auto zur Uni gefahren?

Palina Rojinski: Ja. Ich hab mir am Anfang meines Studiums vom ersten eigenen Geld einen alten goldenen Porsche gekauft. Aber ich bekam dauernd Strafzettel, und der Sprit war zu teuer. Und dann hat er leider keinen TÜV mehr bekommen.

ZEIT Campus: Sie haben Literatur und Geschichte studiert. Warum diese Fächer?

Rojinski: Meine Leistungskurse in der Schule waren Deutsch und Geschichte, das sind einfach die beiden Themenbereiche, die mich wirklich interessieren. Wenn man das studiert, wird es schön komplex, da gibt’s dann irgendwann zehntausend Verzweigungen.

Dieser Text stammt aus dem ZEIT Campus Magazin 3/15, das am Kiosk erhältlich ist.

ZEIT Campus: Waren Sie oft in der Uni?

Rojinski: Ja, schon, anders geht’s ja gar nicht. Ganz ehrlich: Wenn du in der Uni einmal gefehlt hast, merkst du das. Da fehlt dir dann ein richtiger Batzen und du wünschst dir, dass der Dozent dich nicht drannimmt.

ZEIT Campus: Trotzdem haben Sie Ihr Studium nach drei Semestern abgebrochen.

Rojinski: Ja, da habe ich bei MTV Home angefangen und hatte keine Zeit mehr für die Uni. Zuerst wollte ich nur ein Semester auslassen. Das nächste musste ich dann auch auslassen. Und so weiter. Ich fand Uni aber immer ganz cool, weil sie wie eine Wissenstankstelle für mich war. Auch wenn mir die Räumlichkeiten hier nicht gefallen haben.

ZEIT Campus: Viele träumen von einem Job beim Fernsehen. Wie haben Sie das geschafft?

Rojinski: Ich war essen mit Freunden. Da kam Markus Adam, der damalige Musikchef von MTV, an unseren Tisch und sagte, er hätte mich in dem Konzept für diese Sendung gesehen. Ich wusste gar nicht, dass ich dafür im Gespräch war. Zwei Wochen später wurde ich zu einem Casting mit Joko Winterscheidt eingeladen, der damals bei MTV war, und habe den Job bekommen.

ZEIT Campus: Woher kannten Sie die Leute, die Sie für Sendungen vorschlagen?

Rojinski: Ich kannte immer schon viele Leute.

ZEIT Campus: Wie kam das?

Rojinski: Ich weiß es nicht, es ist halt einfach passiert. Ich bin immer gerne ausgegangen, und da lernst du ja zwangsläufig Leute kennen. Ich war immer schon jemand, der mit allen gut klarkommt. Und so war ich für meine Freundinnen immer die Gästelisten-Connection, weil ich halt die Clubbesitzer, die Partyleute und die Veranstalter kannte.

ZEIT Campus: Im Alter von sechs Jahren sind Sie mit Ihren Eltern aus Russland nach Deutschland gekommen. Wenige Jahre später wurden Sie deutsche Junioren-Meisterin* in Rhythmischer Sportgymnastik. Erst einmal, dann noch einmal. Wie kam das?

Rojinski: Schon mit vier Jahren war es mein ganz großer Traum, Leistungssportlerin zu werden. In den ex-sowjetischen Ländern ist Rhythmische Sportgymnastik ein hoch anerkannter Sport, über den in den Nachrichten berichtet wird. Die Bilder davon sind beeindruckend. Das war so, wie wenn man in den Zirkus geht und Trapezkünstler oder Seiltänzer sieht, da denkt man ja: "Das will ich unbedingt auch können." Und ich hatte Talent.

ZEIT Campus: Ihre Familie lebte in Berlin, Sie sind in ein Sportinternat nach Stuttgart gegangen. Haben Ihre Eltern darauf gepocht?

Rojinski: Im Gegenteil. Ich war erst zehneinhalb, und meine Eltern fanden die Idee nicht so toll. Aber in Stuttgart ist nun mal der beste Verein, der FC Bayern sozusagen, deshalb wollte ich dahin, und sie haben mich gehen lassen. An den Wochenenden bin ich nach Hause gefahren und habe alles mögliche gegessen, weil wir im Internat sehr streng Diät halten mussten. Einmal musste ich ein Eis in meiner Jackentasche verstecken, weil ich von Weitem meine Trainerin kommen sah. Als ich dann mit 14 Knieprobleme bekam, wollten meine Eltern, dass ich aufhöre.

Anmerkung 21. Mai: In der Ausgabe der ZEIT CAMPUS wurde Rojinski fälschlicherweise zur Moderatorin statt Jurorin, sowie zur Olympiasiegerin. Wir haben beide Fehler korrigiert.