Egal, wie eine Beziehung endet, jede Trennung beginnt mit dem Gefühl: Es geht nicht mehr. Fünf Geschichten über den Schlussmach-Moment

Liebe & Sex

"Bei der Schlüsselübergabe für unsere gemeinsame Wohnung wurde mir klar: Ich war nie richtig verliebt in meinen Freund. Ich wollte es nur unbedingt sein. Schon lange hatte ich einen Drei-Punkte-Plan: einen Freund finden, zusammenziehen, glücklich sein. Vorher war ich in einen anderen verknallt – aber der nicht in mich. Mein Exfreund hat mir von Anfang an gezeigt, dass er mich mag. Das hat sich gut angefühlt. Nach einem Dreivierteljahr schlug ich vor, zusammenzuziehen. Er war sofort dafür. Am Abend vor der Wohnungsübergabe feierte meine WG eine Party. Und da stand plötzlich der Typ vor mir, in den ich so lange verliebt gewesen war. Wir haben gequatscht, und auf einmal kamen alle alten Gefühle in mir hoch: Wir haben rumgeknutscht, ich bin mit zu ihm gegangen. Am nächsten Morgen habe ich kurz geduscht und mir eingeredet: ›Das ist alles nicht so schlimm.‹ Dann bin ich zur Schlüsselübergabe gefahren. Aber als ich mit meinem Freund in unserem zukünftigen Schlafzimmer stand und er mich umarmen wollte, musste ich heulen. Ich habe gestottert und gesagt, dass ich weder mit ihm zusammenziehen noch länger seine Freundin sein wollte. Erst hat er nicht verstanden, wollte mich sogar trösten. Dann hat er mich angeschrien und die Tür zugeknallt. Aber ich habe mich um tausend Kilo leichter gefühlt. Meinen Drei-Punkte-Plan habe ich trotzdem erfüllt – mit meinem Seitensprung. Seit über zwei Jahren ist er mein Freund. Und seit Kurzem wohnen wir zusammen."   

"Ich will das nicht mehr"

"Meine Exfreundin hat alle paar Wochen mit mir Schluss gemacht. Sie hat meine Klamotten in Mülltüten gesteckt, mir per WhatsApp ein Foto davon geschickt und geschrieben: ›Hol’s ab‹. Ich bin immer sofort zu ihr gefahren, wir haben geredet und irgendwann gesagt: ›Okay, wird schon wieder.‹ Aber nach ein paar Tagen ging es von vorn los. Sie hat in Aachen gewohnt, ich in Gladbach. Sie konnte in meinem Bett nicht gut schlafen und kam mit meinem Vater nicht klar. Darum war ich fast immer bei ihr. Mir war wichtig, dass sie glücklich ist. Dabei war ich selbst nicht zufrieden. Der ständige Streit hat mich fertiggemacht. Aber dann haben wir uns vertragen, Fotos angeschaut, und sie hat mir ein Heft mit Zeichnungen geschenkt, auf dem stand: ›Thank you for being you‹. Ich habe das schlechte Gefühl vergessen. Immer wieder. Bis zu einem Nachmittag im Juli. Wir hatten mal wieder Stress, ich bin nach Aachen gefahren. Eigentlich war alles wie immer. Aber plötzlich war da der Gedanke in meinem Kopf: ›Ich will das nicht mehr.‹ Und der ging nicht mehr weg. Ich habe mich total eingeengt gefühlt, wie in einer Sackgasse. Wir sind im Wald spazieren gegangen, da hat sie auf einmal gefragt: ›Machst du jetzt Schluss?‹ Und ich hab einfach Ja gesagt. Das war gar nicht geplant. Aber ich bin dabei geblieben. Später habe ich erfahren, dass meine Exfreundin danach oft geweint hat und mich zurückwollte. Hätte sie mir das auch gesagt – ich hätte uns bestimmt wieder eine Chance gegeben."

"Meine Freundin war ständig eifersüchtig"

"In der Nacht vor unserem zweijährigen Jubiläum konnte ich nicht einschlafen. Ich lag die ganze Zeit auf dem Rücken und habe an die Decke gestarrt. Meine Exfreundin war cool, witzig und entspannt – solange sie nicht eifersüchtig war. Wenn ich mit Kumpels feiern wollte oder mit einer Freundin Kaffee trinken, hat sie das oft gestört. Wie sehr mich ihre Eifersucht belastet hat, habe ich aber erst gemerkt, als ich zum Studieren von Frankfurt nach Berlin gezogen bin: In der neuen Stadt habe ich mich frei gefühlt; ich war ständig unterwegs und habe jeden Tag neue Leute getroffen. Das Gefühl, mich vor niemandem rechtfertigen zu müssen, war großartig. Es dauerte nicht lange, da hatte ich keine Lust mehr, mit ihr zu reden, wenn sie anrief. Ich habe sie auch nicht vermisst. 

Dieser Text stammt aus dem ZEIT Campus Magazin 4/15, das am Kiosk erhältlich ist.

Zu unserem zweijährigen Jubiläum bin ich trotzdem nach Frankfurt gefahren – mein erster Besuch seit meinem Umzug. Am ersten Abend wollte ich unbedingt noch ein paar alte Freunde treffen. Meine Exfreundin wollte erst mit, dann auf einmal doch nicht, ihr war übel. Also haben wir abgemacht, dass ich nach dem Treffen zu ihr komme. Ich saß noch nicht einmal eine Stunde bei meinem Freund auf dem Sofa, da kam die erste SMS. Dann noch eine und noch eine. Sie wollte, dass ich sofort komme. Genervt bin ich gegangen. Zu Hause haben wir kurz geredet und sind dann schlafen gegangen. Sie hat sich von mir weggedreht. Das war zu viel. Ich habe es nicht mehr ertragen, neben ihr zu liegen, wollte sie nicht mehr berühren. Plötzlich war mir ganz kalt, und alles fühlte sich fremd an. Ich wollte einfach nur noch weg! Schluss gemacht habe ich aber erst ein paar Tage nach unserem Jubiläum – am Telefon. Da war ich schon wieder in Berlin."