"Kann der Kakao-Anbau nicaraguanischen Bauern ein besseres Leben ermöglichen? Diese Frage untersuche ich in meiner Masterarbeit. Dafür habe ich zehn Kooperativen in Nicaragua besucht, gemeinsam mit einem Mitarbeiter vom Bonner Südwind-Institut, einer Stiftung, die sich für gerechte Handelsbeziehungen einsetzt.

Die Kooperativen, die ich untersucht habe, verkaufen ihren Kakao vor allem an Ritter Sport. Der Zusammenschluss als Kooperative verschafft auch Kleinbauern in abgelegenen Bergregionen einen Zugang zum Markt: Sie können den Kakao ernten, zu Treffpunkten nahe der Straße transportieren und ihn bei einem Mitarbeiter der Kooperative abgeben. Der Kakao ist dann noch feucht und glitschig. Ihre Ernte wird gewogen, und sie bekommen sofort ihr Geld.

Mein Kollege und ich haben Fragebögen entworfen und Gruppendiskussionen organisiert, um herauszufinden, wie die einzelnen Bauern arbeiten und was sie verdienen. Wir wollten auch untersuchen, wie nachhaltig die Kooperation zwischen Ritter Sport und den Kakaoproduzenten ist. Einzelne Bauern arbeiten konventionell, andere ökologisch, und einige sind sogar UTZ-zertifiziert. Das bedeutet, dass sie gleichzeitig sozial- und umweltverträglich arbeiten.

Ich habe herausgefunden, dass die Zusammenarbeit mit Ritter Sport den Marktpreis und so auch das Einkommen der Bauern verbessert hat. Aber das hat auch etwas mit den NGOs zu tun, die sich für sie eingesetzt haben. Außerdem eignet sich Kakao generell gut, um Bauern ein geregeltes Einkommen zu sichern. Schon allein deshalb, weil die Pflanze das ganze Jahr über Früchte trägt."

"Nur aus Langeweile gehe ich schon lange nicht mehr shoppen. Ich kaufe nur noch Klamotten, die ich wirklich brauche und achte darauf, wo und wie sie produziert wurden. Der Auslöser dafür war meine Masterarbeit. Darin beschäftige ich mich mit nachhaltig und fair produzierter Mode in Österreich und wie sie bei den Kunden ankommt.

In Interviews mit modeinteressierten Menschen zwischen 18 und 54 habe ich herausgefunden, dass allen Befragten bewusst ist, dass günstige Kleidung von großen Ketten meist unter schlechten Bedingungen hergestellt wird. Also dass die Arbeitsbedingungen der Arbeiter nicht gut sind, Kinder in den Fabriken arbeiten und die Umwelt verschmutzt wird. Viele haben auch schon erlebt, wie die Farbe einer billigen Jeans die Beine verfärbt oder dass sie Ausschlag bekommen. Erstaunlicherweise ziehen sie aus diesem Wissen aber keine Konsequenzen für ihren Konsum. In den Gesprächen fand ich auch heraus, dass die Konsumenten im Schnitt drei bis viermal pro Monat zum Shoppen in die Stadt fahren. Sie kaufen mehr, als sie brauchen.

Dieser Text stammt aus dem ZEIT Campus Magazin 5/15, das am Kiosk erhältlich ist.

Fast keiner kauft sich T-Shirts, Hosen oder Schuhe, weil sie nachhaltig produziert sind, sondern vor allem wegen der Marke oder eines Modetrends. Ich wollte wissen, warum. Meine Umfragen zeigten: Die Konsumenten assoziieren faire Mode mit horrenden Preisen und schlammfarbenen Leinenklamotten. Viele glauben auch, als Einzelner könne man nichts verändern. Dabei kommt es gerade auf die Konsumenten an. Unternehmen sind nun mal gewinnorientiert. Wenn sie merken, dass die Nachfrage nach fairen Produkten steigt, wird sich auch das Sortiment ändern."