ZEIT Campus: Gute Manieren, schicke Kleidung, kein zu lascher Händedruck: Offensichtlich geht es doch viel um Äußerlichkeiten?

Schaake: Ja, aber nicht nur. Außerdem kann man von äußeren Gegebenheiten viel auf Inneres schließen. Man kann überprüfen, ob das, was einer sagt, zu dem passt, wie er sich gibt und kleidet. Je harmonischer alles zusammenpasst, umso sicherer kann ich mir als Chef bei der Frage sein, ob der Bewerber zu uns in die Firma und ins Team passt.

ZEIT Campus: Manche Chefs fragen nach Schwächen. Soll man darauf ehrlich antworten?

Schaake: Hauptsache, man kokettiert nicht damit, nur weil man in einem Bewerbungsratgeber gelesen hat, dass man Schwächen nennen sollte, die irgendwie von Engagement und Ehrgeiz zeugen, wie etwa Ungeduld.

ZEIT Campus: Was sollte man besser verschweigen?

Schaake: Zum Beispiel, warum man sich nicht in dem Betrieb beworben hat, wo man Werkstudent war. Selbst wenn der Chef und die Stimmung dort richtig mies waren, würde ich lieber nur diplomatisch antworten, dass die Perspektiven da nicht stimmten. Sonst geht der Personaler davon aus, dass man über sein Unternehmen später ebenfalls schlecht spricht. Oder dass man Probleme hat, sich in ein Team einzufügen.

ZEIT Campus: Also muss man auch mal lügen?

Schaake: Manchmal schon. Wenn man etwa gefragt wird, ob man Sport treibt. Da würde ich nicht entgegnen: "Nö, bin zu faul" – selbst wenn das so ist. Da darf man schummeln und sagen: "Ich jogge gern. Das hilft mir, nach einem anstrengenden Arbeitstag runterzukommen." Das kommt gut an. Kann aber natürlich passieren, dass man später beim Spendenlauf der Firma antreten soll.

ZEIT Campus: Gibt es auch Fragen, bei denen man nie ehrlich antworten sollte?

Schaake: Wenn nach der Familienplanung oder der Parteizugehörigkeit gefragt wird. Da darf man per Gesetz so viel lügen, wie man will.