Der Fachschaftsvorsitzende und Studentenberater Daniel Meyer erklärt, was bei der Masterbewerbung zählt.

ZEIT Campus: Herr Meyer, Sie haben als Vorsitzender der Fachschaft Wirtschafts- und Sozialwissenschaften in Köln Hunderte Bachelorstudenten beraten. Welche Frage hören Sie am häufigsten von denen, die sich auf einen Master bewerben?

Daniel Meyer: Die meisten wollen wissen, mit welcher Bachelor-Abschlussnote sie eine realistische Chance auf einen Masterplatz haben.

ZEIT Campus: Und?

Meyer: Das ist bei jedem Masterstudiengang unterschiedlich. Bei dem Master Economics in Köln muss man zum Beispiel mindestens eine 2,7 vorweisen.

ZEIT Campus: Mit diesem Schnitt bekommt man sicher einen Masterplatz?

Meyer: Nein, eine Garantie ist das auf keinen Fall, sondern lediglich die Mindestanforderung für die Bewerbung.

ZEIT Campus: Wie stehen die Chancen, mit einer 2,7 einen Masterplatz zu bekommen?

Meyer: Damit hat man schlechte Chancen, weil es zu viele Bewerber mit besseren Noten gibt.

ZEIT Campus: Was raten Sie einem Studenten, wenn er in bestimmten Fachbereichen schlechte Noten hat? Lohnt es sich beispielsweise, Bachelorkurse zu wiederholen?

Dieser Text stammt aus dem ZEIT Campus Ratgeber 2/2015, der am Kiosk erhältlich ist. Klicken Sie auf das Bild, um auf die Seite des Magazins zu gelangen.

Meyer: Dazu rate ich jedem, der Notenprobleme hat. An manchen Universitäten kann man Ergebnisse streichen lassen, also auch mal eine Klausur verhauen.

ZEIT Campus: Im Zweifel lieber ein Semester länger an der Universität bleiben?

Meyer: Wenn das finanziell geht, ja. Von der Regelstudienzeit sollte man sich auf keinen Fall verrückt machen lassen.

ZEIT Campus: Was kann man in der Endphase des Bachelors machen, um bessere Chancen auf einen guten Masterplatz zu haben?

Meyer: Der Noten-Zug ist im letzten Bachelorsemester leider oft schon abgefahren. Durch die Bachelorarbeit verändert sich die Abschlussnote nur noch geringfügig. Aber man sollte sich erkundigen, ob man Seminare wiederholen oder einige der Teilnoten, aus denen sich die Gesamtnote zusammensetzt, streichen lassen kann.

ZEIT Campus: Erhöhen Praktika oder soziales Engagement die Chance auf einen Platz?

Meyer: Das ist nicht mehr so oft der Fall, nur in einigen Studiengängen, beispielsweise in Münster, werden außeruniversitäre Kriterien gewürdigt. Das nimmt etwas Druck von den Studenten. Wenn sich jemand beispielsweise ehrenamtlich engagiert oder einen kranken Verwandten pflegen muss, ist es doch klar, dass er viel weniger Zeit zum Lernen hat. Deswegen finde ich es gerecht, wenn man schlechtere Noten durch weiche Kriterien ausgleichen kann. Man sollte nicht nur das Büffeln belohnen.

ZEIT Campus: Warum spielen weiche Faktoren bei der Bewerbung immer weniger eine Rolle?

Meyer: Weil man gegen die Beurteilung dieser weichen Faktoren leichter klagen kann. Die Unis wollen die schlechte Presse vermeiden, die es gibt, wenn gegen sie geklagt wird.

ZEIT Campus: Ist die Note im Kampf um die Masterplätze also alles, was zählt?

Meyer: Ja, bei vielen Zulassungen. Sie ist die entscheidende Komponente. Das sorgt bei den Studenten für starken Notendruck. Nur selten entscheiden andere Kriterien mit.

ZEIT Campus: Zum Beispiel?

Meyer: In einigen Fächern gibt es einen Fähigkeitstest. Das ist ein Intelligenztest, bei dem auch Textverständnis oder organisatorische Fähigkeiten geprüft werden. An der Uni Köln etwa zählt dieser Test ein Drittel, die Bachelornote zwei Drittel. Wer nicht so gute Noten hat, kann da also viel rausholen. An anderen Unis haben auch Professoren Einfluss auf die Studentenauswahl.