Abschlussarbeit und kein Betreuer in Sicht? Oder Betreuer gefunden, aber er hat nie Zeit? Antworten auf die sieben häufigsten Fragen

1. Was ist gute Betreuung?

Das ist nirgendwo festgelegt.

Wenn der Professor nicht auf Mails antwortet oder die Gliederung Probleme macht, muss jeder damit alleine klarkommen. Gute Betreuung kann Glückssache sein – vor allem, wenn man den Betreuer nicht selbst aussuchen darf. Für die Betreuung wissenschaftlicher Arbeiten werden Professoren und wissenschaftliche Mitarbeiter nicht speziell geschult, sie erledigen diesen Teil ihres Jobs nach eigener Erfahrung. Einen Anspruch auf gute Betreuung gibt es nicht – es sei denn, er steht in der konkreten Prüfungsordnung.   

Deshalb: So früh wie möglich selbst kümmern!

Zum Beispiel beim ersten Gespräch das Thema eingrenzen und die Frage festlegen. Alles schriftlich festhalten. Dann eine Literaturliste und Gliederung anfertigen und sie vom Betreuer absegnen lassen. Steht das Grundgerüst der Arbeit, alle zwei oder vier Wochen mit dem Betreuer sprechen – je nach Bedarf und Umfang. Dafür vorher präzise Fragen formulieren und in der Sprechstunde stellen. 

Frust lässt sich auch vermeiden, wenn man nach den Kriterien der Bewertung fragt, und zwar nicht erst nach Abgabe der Arbeit.

2. Wie finde ich einen guten Betreuer?

Mit einem kritischen Blick auf die letzten Semester.

Welche Vorlesung war interessant, welches Seminar öde? Die Dozentin, die vom Referat über byzantinische Teppichkunst begeistert war, bietet sich vielleicht für die Bachelorarbeit an. Der Professor, der im Seminar die Materialien für die nächste Sitzung immer zu spät hochgeladen hat, eher nicht. Hat der Betreuer allerdings zum Wunschthema weder gelehrt noch geforscht, sollte man weiter suchen. Oder das Thema anpassen.

3. Was kann ich von meinem Betreuer erwarten?

Nur so viel, wie in der Prüfungsordnung steht – falls es dort steht.

Normalerweise regeln die Ordnungen ein Minimum an Betreuung: Betreuer und Student treffen sich und legen das Thema fest. Auch wie viel Zeit man bis zur Abgabe hat, ist meist geregelt. Steht darin auch wie oft man sich mit dem Betreuer trifft, kann man darauf bestehen. Normalerweise sollte das aber nicht nötig sein: Die Professoren wollen ja, dass ihre Studenten eine gute Arbeit schreiben.

Auf eine enge Betreuung hat man aber keinen Anspruch. Denn bei jeder Arbeit gibt man eine Erklärung zur Selbstständigkeit ab. Jeder Student bestätigt also, dass er oder sie die Arbeit ohne fremde Hilfe angefertigt hat. Das stimmt bei den meisten allerdings schon deshalb nicht, weil Freunde die Arbeit Korrektur lesen. Sagt der Betreuer also, nachdem das Thema geklärt ist: Jetzt sind Sie auf sich allein gestellt, ist er im Recht.

4. Darf ich mir mein Thema aussuchen?

Nicht unbedingt.

Es gibt drei Modelle: 1. Das Thema darf frei gewählt werden. 2. Man kann aus einem Themenpool aussuchen. 3. Der Prof legt das Thema fest. Wie es im eigenen Studiengang läuft, steht in der Prüfungsordnung.

Bietet jeder Lehrstuhl eine gewisse Anzahl von Themen an, sollte man zwischen dem Interesse fürs Thema und dem Ruf der Betreuer abwägen. Wenn der Prof mit dem interessantesten Forschungsbereich als unzuverlässig und zerstreut gilt, lieber überlegen, ob einen nicht auch etwas anderes interessieren könnte. Wird das Thema vom Prof vergeben, kann das auf den ersten Blick ärgerlich sein, aber auch Vorteile haben: Die Suche nach dem richtigen Thema fällt weg, der Betreuer kennt sich mit dem Thema aus und kann bei Problemen weiterhelfen.