1.600 Euro für den ersten Job, immer noch auf die Eltern angewiesen. Eine Beraterin erzählt vom Bewerbungsgespräch und den Geldsorgen danach. Das anonyme Gehaltsprotokoll

Name: anonym
Alter: 27
Position
: Traineeprogramm, Beraterin
Branche
: Kommunikationsberatung
Unternehmensgröße
: 30 bis 35, an ihrem Standort

Ich habe nicht die Ambition, Millionärin zu werden, das ist in der Kommunikationsbranche sowieso schwer. Aber ich will nicht im Bio-Supermarkt stehen und denken: Oh Gott, das war das Budget für die ganze Woche. Ich möchte Lebensmittel oder Kleidung kaufen können, ohne groß darüber nachzudenken, und in Urlaub fahren können, ohne dass es mich ruiniert. Im vergangenen Jahr war das schwierig.

Ich hatte online nach Jobs gesucht, hauptsächlich bei Kommunikationsagenturen. Als ich mich auf meine jetzige Stelle beworben hatte, wusste ich gleich, wie viel ich verdienen würde. Das Gehalt stand in der Ausschreibung. Ich hatte keine konkrete Untergrenze, aber 1.600 Euro für eine Art Traineestelle war mir eigentlich zu niedrig.

Ich habe mich trotzdem beworben. Im Gespräch wollte ich darauf achten, ob die Arbeit so spannend und interessant sein würde, dass sie das fehlende Gehalt kompensieren könnte. Das Thema Gehalt kam auch kurz zur Sprache, allerdings wurde mir direkt kommuniziert, dass es da keinen Verhandlungsspielraum gibt. Mit den Konditionen war ich nicht zufrieden, aber ich sagte trotzdem zu, mir gefielen die Projekte und das Team. Ich würde sofort eigenverantwortlich arbeiten können.

Erst einmal etwas sicher haben und dann nebenbei weitersuchen, das war mein Gedanke. Den halte ich jetzt für falsch. Ich hätte mir ruhig ein paar Monate Zeit nehmen können.

Und für die ganze Arbeit werde ich so schlecht bezahlt?

Die Stelle wurde mir als Ausbildungs-und Einstiegsprogramm verkauft, bei dem ich etwas lerne. Aber es war reines Lernen on the job. Klar war es schön, 40 bis 50 Stunden pro Woche an Projekten zu arbeiten. Ich wusste, dass die Kollegen sich auf mich verlassen, dass ich ein wichtiger Teil des Teams bin. Nach einer stressigen Woche saß ich aber freitagabends zu Hause und dachte: Und für die ganze Arbeit werde ich so schlecht bezahlt?

Ich arbeitete gefühlt umsonst. Mit knapp 1.100 Euro netto komme ich nicht gut aus, meine Miete kostet 500 Euro. Ich habe mich das letzte Jahr recht stark eingeschränkt, ohne die Unterstützung meiner Eltern wäre es schwer geworden. Und es ist kein schönes Gefühl, immer noch auf seine Eltern angewiesen zu sein.

3.350 ausgehandelt

Bald wird sich das ändern. Ich habe einen Mentor im Unternehmen, er hatte mir signalisiert, dass ich nach dem Einstiegsprogramm als Beraterin übernommen werden würde und dass das Gehalt neu verhandelt würde. Mit ihm habe ich zuerst über das Thema gesprochen, auch um mir seinen Rückhalt zu holen. Anschließend habe ich der Personalabteilung mitgeteilt, dass ich gern über die Übernahme sprechen würde. Ich bekam einen Termin mit dem Geschäftsführer.


Vom Hören-Sagen im Unternehmen und auch von Freunden, die wie ich Berufseinsteiger waren, wusste ich, dass sich das Gehaltsangebot um die 3.000 Euro bewegen wird. Ich habe daher gar nicht erst darauf gewartet, diese Summe zu hören, sondern bin von mir aus mit 3.500 Euro eingestiegen. Ich wollte zeigen, dass ich weiß, was ich wert bin. Und es hat funktioniert. Bald bekomme ich 3.350 Euro und habe einen unbefristeten Vertrag.