Schnapsgläser sind schon da. Und sonst? Drei Messer (lang, klein, geriffelt), zwei Töpfe und eine gusseiserne Pfanne sind genug. Knoblauchpresse für Fortgeschrittene.

Mit der Ausstattung der ersten eigenen Küche verhält es sich mitunter wie mit unbedingt zu erledigenden Aufgaben: das Unwichtigste zuerst.

Auch beim Ikea-Einkauf kann man prokrastinieren. Läuft am dringend benötigten Besteckkasten vorbei, übersieht das vernunftsweiße Geschirrset und investiert stattdessen das ganze Budget in einen gusseisernen Schmortopf, weil der so eine schöne Farbe hat und in diesem Ottolenghi-Rezept stand doch …

Entweder findet man sich damit ab, fortan alle Gerichte mit Plastikbesteck direkt aus dem Schmortopf zu essen oder schreibt vor dem Einkauf eine Liste mit den Dingen, die man in der Küche wirklich braucht.

Natürlich macht es einen Unterschied, ob man in seiner ersten eigenen Wohnung bei null anfängt oder in eine bestehende WG einzieht, sich also küchenutensilientechnisch ins gemachte Nest setzt. Wobei auch die gemachten Nester häufig aus zusammengewürfeltem Flohmarktgeschirr bestehen, aus den Spülmaschinentod gestorbenen stumpfen Messern und Teflonpfannen, auf deren Beschichtung sich ähnlich viele Menschen verewigt haben, wie auf der in jeder WG-Küche obligatorischen Schiefertafel. Schnapsgläser sind eigentlich immer vorhanden.

Dabei ist in der Küche weniger unbedingt mehr. Bleibt die Frage: Was ist nützlich?

Für Anfänger:

Egal ob mattweiß oder malkastenbunt: Ein einheitliches Geschirrset wirkt erwachsener als jeder Flohmarktmix. Außerdem: Wasserkocher, Sieb, Kochlöffel aus Holz, Pfannenwender, Vierkanthobel (wo Pasta gegessen wird, fallen Parmesanspäne), ein Messbecher und eine elektronische Küchenwaage, auch wenn sie den lästigen Batteriekauf mit sich bringt. Natürlich kann man Töpfe nach dem Matroschkaprinzip ineinanderstapeln, aber für den Anfang genügen ein kleiner und ein großer mit Deckel (den zu benutzen man gerne vergisst), möglichst aus Edelstahl.

Dazu eine Pfanne, ich rate zu einem gusseisernen Modell. Drei Messer genügen, ein langes Kochmesser, ein kleineres Gemüsemesser und eines mit geriffelter Klinge. Als ich meine lächerlich teure magnetische Messerleiste kaufte, griff zweifellos das Prokrastinationsprinzip. Man kann seine Messer, besonders wenn es nur drei sind, natürlich auch in der Schublade aufbewahren. Bereut habe ich den Kauf trotzdem nicht, so bleiben die Klingen scharf und man kann viel Zeit damit verbringen, sie der Größe nach zu ordnen. Den im gleichen Zug erstandenen Wetzstein habe ich hingegen kein einziges Mal benutzt.

Für Fortgeschrittene:

Knoblauchpresse, Salatschleuder, Mörser (frisch gemahlene Gewürze entfalten mehr Aroma, verlangen aber ein Oberarm-Work-out), Schaumlöffel für pochierte Eier (braucht man für die Zubereitung des Hipsterfrühstücks Egg Benedict).

Für Kaffeeliebhaber:

Eine elektrische Kaffeemühle. Wer sich einmal an den Duft von frisch gemahlenen Bohnen gewöhnt hat, will nie mehr zurück. Abgesehen davon ist Kaffeekochen zur Wissenschaft geworden. Profis besitzen Tropfapparate, wie man sie aus dem Chemieunterricht kennt. Sich mit einer French Press oder Bialetti zu begnügen, ist schon fast wieder altmodisch, dabei liefern beide bei richtiger Anwendung gute Ergebnisse.

Für Trinkfreudige:

Ein Weindekanter, funktioniert auch gut als Blumenvase. Cocktailshaker und einen halben Meter lange Barlöffel sehen toll aus und erwecken den Eindruck eines Cocktailprofis. Das Problem: Gäste werden sich nicht mehr mit Apfelschorle zufriedengeben, nach dem Motto: "Zeig doch mal!"

Für Kuchenliebhaber:

Hier lauert die Gefahr der Maßlosigkeit. Springform, Kastenform, Gugelhupf, Kürbismuffinblech, Backformen mit den Umrissen von Rentier, Herz und Weihnachtsstern – und all das gehört noch halbwegs zum Standardsortiment. Je mehr Rezepte man liest, desto eher hat man das Gefühl, all das wirklich zu brauchen. Dabei genügt für den Anfang eine runde Springform mit 26 cm Durchmesser. Man muss sich dann einfach mal über den Rezeptirrsinn hinwegsetzen und improvisieren. Außerdem: zwei Rührschüsseln, ein Handrührgerät, ein Schneebesen, ein Teigschaber.