Badewanne mit 7.800 Kronkorken gefüllt. Licht angelassen. Musik zu laut. An der kaputten Glühbirne verzweifelt. Drei Vermieter erzählen von ihren studentischen Mietern.

Der Feind

Dr. Werner Buchenauer, 66 Jahre, vermietete fünf Wohnungen von 2004 bis 2016.

ZEIT Campus ONLINE: Vor einem Monat sind die letzten vier Studenten aus ihrem Haus ausgezogen. Waren sie schlechte Mieter?

Dr. Werner Buchenauer: Nein, das hatte mehrere Gründe: Hohe Fluktuation. Manche Studenten habe ich kaum gesehen. Oft haben sie sich nicht an die Hausordnung gehalten. Mal stand die Kellertür offen und das Licht, das haben sie auch angelassen. An Wochenenden klingelte mehrmals mein Telefon, weil die Nachbarn sich über zu laute Musik beschwerten. Einzeln betrachtet sind das natürlich Kleinigkeiten. Mit den Jahren ging mir das auf die Nerven.

ZEIT Campus ONLINE: Für einige sind sie jetzt bestimmt der prototypische "böse Vermieter". Verstehen Sie das?

Dr. Buchenauer: Nein, Studenten sind doch nicht die Einzigen, die Wohnungen in Marburg suchen! Auch Familien mit Kindern wollen Altbau in der Innenstadt. Sie müssen zwar nicht zur Uni, aber die Kleinen wollen auch nicht dreißig Minuten lang in den Kindergarten fahren. Wir möchten verlässliche und langfristige Mieter haben. Die verstehen sofort, dass sie wegen des hochwertigen Bodens Möbelgleiter benutzen müssen.

ZEIT Campus ONLINE: Studenten mögen Sie also gar nicht?

Dr. Buchenauer: Das hat nichts mit Sympathien zu tun. Ich habe mich aus pragmatischen Gründen dazu entschieden, nicht mehr an Studenten zu vermieten. Als ich das Haus mit den studentischen Mietern 2004 übernahm, wusste ich, dass ich das nach und nach im Rahmen von notwendigen Wohnungssanierungen abbauen möchte. Viele Studenten waren sehr nett und haben pünktlich ihre Miete bezahlt. Damit sind sie aber nicht die einzigen Mieter.

ZEIT Campus ONLINE: Was bleibt, wenn Sie an die letzten elf Jahre denken?

Dr. Buchenauer: Fahrräder. Es sind so viele übergeblieben – ich könnte eine eigene Fahrradhandlung eröffnen. Außerdem ist mir ein studentisches Pärchen in Erinnerung geblieben. Sie waren frisch verliebt in eine Dachgeschosswohnung eingezogen. Nach einem halben Jahr luden sie meine Frau und mich ein. Sie müssten uns etwas beichten. Als wir dort waren, wollten sie, dass wir ihnen sagen, wie sie ihre Beziehung retten können. Das war sehr verrückt. Da fühlten wir uns nicht unbedingt kompetent.

Der Realist

Anonym, 65, vermietet seit 1970 zwanzig Wohnungen an Studenten in Marburg.

ZEIT Campus ONLINE: Vermieter sind bei Studierenden nicht sonderlich beliebt. Verstehen Sie das?

Anonym: Nein, ich kümmere mich um meine Wohnungen und meine Mieter. Wenn etwas kaputt ist, rufe ich sofort den Handwerker. Manche Studenten haben allerdings einen Knall. Erst sagen sie, dass etwas nicht funktioniert, und wenn man daraufhin einen Handwerker schicken will, ist ein Brief in der Post, der das verbieten möchte. Einerseits soll alles sofort wieder laufen, anderseits wollen sie aber auch nicht, dass um sieben Uhr morgens der Handwerker klingelt.

ZEIT Campus ONLINE: Sind Studenten faul?

Anonym: Manche Studenten sind vor allem eines: allein nicht lebensfähig. Studenten, die gerade bei ihren Eltern ausgezogen sind, schauen mich oft mit großen Augen an: Sie kennen die Stadtwerke nicht oder wissen nicht, wie eine Gasheizung funktioniert. Einmal wurde ich sogar angerufen, weil eine Glühbirne kaputt war. Die sind alle viel zu behütet aufgewachsen.

ZEIT Campus ONLINE: Wenig Einkommen, keine Langzeitmieter, oft chaotisch: Warum vermieten Sie an Studenten und nicht an Familien?

Anonym: Mit den meisten Studenten gibt es kaum Probleme. Wenn die Miete mal nicht kommt, überweisen die Eltern. Das ist eine sichere Sache. Dass Studenten wieder ausziehen, ist auch angenehm. So ist es einfacher, mal eine Wohnung zu sanieren. Dass die ihre Wände oft gelb oder lila streichen, ist allerdings sehr aufwendig. Denn dann muss erst mal wieder geweißt werden.

ZEIT Campus ONLINE: Kennen Sie Ihre Mieter persönlich?

Anonym: Einzelne haben länger bei uns gewohnt. Das ist charmant, weil man merkt, wie sich die jungen Menschen mit der Zeit verändern. Wenn das erste Gehalt kommt, denkt man anders. Ich habe schon einige linke Revoluzzer kennengelernt, die heute über diese Phase in ihrem Leben lachen.

ZEIT Campus ONLINE: Schufa, Bürgschaft der Eltern, worauf achten Sie bei Mietern?

Anonym: Das entscheide ich nach Bauchgefühl. Wenn ein Pärchen zur Besichtigung kommt, erzähle ich erst mal die Geschichte von einem Paar, das nach sechs Monaten verheult bei mir vor der Tür stand und sagte: "Es klappt nicht." Dreimal habe ich das schon erlebt. Meistens ziehen sie dann trotzdem zusammen.

ZEIT Campus ONLINE: Haben Sie mal daran gedacht aufzuhören, an Studenten zu vermieten?

Anonym: Nein, aber es gibt schon Situationen, in denen ich merke, wie mir als Vermieter die Hände gebunden sind. Eine WG in meinem Haus hat zum Beispiel Partys auf dem Dachboden geschmissen. Die hatten eine Musikanlage installiert, sechs Sofas und eine Badewanne, die mit 7.800 Kronkorken gefüllt war. Wenn es bei einer Party gebrannt hätte, wäre ich verantwortlich gewesen. Zum Glück habe ich das erst später auf Fotos gesehen.