5.000 Euro im Monat, dafür muss er auch Nachtdienste machen. Ein junger Arzt erzählt, warum das hart ist, aber Kollegen sich trotzdem nicht so oft beschweren sollten.

Berufseinstieg

Name: anonym
Alter: 28
Position: Facharzt in Ausbildung
Branche: Medizin
Unternehmensgröße: 30 bis 35 auf der Station

Über Geld habe ich mir im Studium nie Gedanken gemacht. Als Medizinstudent geht es mir ja gut: Ich wusste immer, dass ich mir keine Sorgen um einen Job und mein Gehalt machen muss. Damit werde ich zwar nicht steinreich, aber das ist okay.

Nach der Uni habe ich mich nur auf eine einzige Stelle in einer Klinik beworben und den Job sofort bekommen. Jetzt bin ich im dritten Ausbildungsjahr als Facharzt für Innere Medizin und habe ein Brutto-Fixgehalt von 4.400 Euro mit 12 Monatsgehältern im Jahr. Weihnachtsgeld bekomme ich keines. Mit Nachtdiensten komme ich jeden Monat auf ungefähr 5.000 Euro. Netto bleiben mir 2.900 Euro über. Davon brauche ich im Monat ungefähr 1.500 bis 1.900 Euro, wenn ich gut lebe, hin und wieder nach Hause zu meinen Eltern fahre und Reisen mache.

Ich arbeite regulär 45 Stunden jede Woche, mit Überstunden komme ich meistens auf 50 Stunden. Das ist natürlich viel. Als ich angefangen habe zu arbeiten, war ich jeden Abend nach der Arbeit so geschlaucht, dass ich nur ins Bett gefallen bin. Da habe ich mir natürlich schon Gedanken gemacht, ob auch Fehler wegen Übermüdung passieren – aber genau deshalb habe ich auch Kollegen, die solche im Notfall erkennen. Nicht nur der Job an sich ist anstrengend, auch mit dem großen Verantwortungsbewusstsein habe ich mich am Anfang schwer getan. Ich habe nach der Arbeit einfach nicht abschalten können und mir immer Gedanken gemacht, ob ich alles richtig gemacht habe.

Ich war nicht mehr der kleine Student, der den "echten" Ärzten nur zuschauen und nichts angreifen darf, auf einmal war ich selbst einer von den Großen. In meiner ersten Woche wurde ich von einem Rettungsassistenten richtig zusammengeschissen: Er musste einen meiner Patienten abholen und in ein anderes Krankenhaus bringen, weil dieser einen Schlaganfall hatte. Ich hatte es aber nicht geschafft, einen Platz in einem näheren Krankenhaus zu organisieren.

Mein Gehalt ist ganz normal als Berufseinsteiger, glaube ich. Ich finde es angemessen und komme gut damit aus. Ich mache meinen Job sehr gern, weil ich als Arzt mitten im Leben stehe und mit Menschen zu tun habe und nicht nur mit Akten oder Zahlen. Trotzdem merke ich, dass das Gehalt definitiv damit zu tun hat, dass ich gern arbeite. Würde ich 1.000 Euro weniger verdienen, wäre ich nicht so zufrieden. Ich finde, gute Arbeit muss einfach entsprechend honoriert werden.

Ich glaube nicht, dass Mediziner mehr arbeiten als andere, wir reden nur sehr gern darüber.

Über das Gehalt sprechen wir unter Kollegen nie, weil wir sowieso alle ungefähr das Gleiche verdienen. Dafür wird ständig darüber geredet, wie viel jeder arbeitet: Die Leute beschweren sich, dass sie am Wochenende arbeiten müssen oder eine Woche lang nur Nachtdienst haben. Ich finde, das muss man einfach in Kauf nehmen. Man weiß doch, dass man als Arzt gerade am Anfang oft schlechte Arbeitszeiten hat. Ich glaube nicht, dass Mediziner mehr arbeiten als andere, wir reden nur sehr gern darüber.

Was mich allerdings stört: Eigentlich bin ich ja noch in Ausbildung. Davon merke ich aber nicht viel. Ich arbeite als Assistenzarzt auf der Station und sollte nebenbei noch lernen, wie zum Beispiel Ultraschall funktioniert. Aber ob und wann ich ausgebildet werde, das muss ich mir alles selbst organisieren. Das heißt, wenn ich etwas lernen möchte, muss ich selbst zu einem Oberarzt gehen und ihn bitten, mir das zu zeigen. Wenn ich arbeite, betreue ich ungefähr 15 Patienten – da habe ich keine Zeit, auch noch auf andere Stationen zu gehen, um etwas zu lernen. Das heißt, ich müsste nach einer Zehn-Stunden-Schicht länger bleiben und dann erst mal einen Oberarzt finden, der Zeit hat, mir etwas zu zeigen. Auch das müsste ich mir alles selbst organisieren – obwohl meine Stelle offiziell ein Ausbildungsplatz ist.

Allerdings habe ich derzeit schon 120 Überstunden angesammelt, für die ich mir eigentlich Zeitausgleich nehmen sollte – aber auch dafür fehlt die Zeit.