Nicht die Streber bewegen die Welt, sondern die, die sich für etwas begeistern. Das galt für 100 Studenten, die ZEIT CAMPUS vor sechs Jahren auswählte. Und heute?

Vor sechs Jahren kürte ZEIT CAMPUS die 100 vielversprechendsten deutschen Studenten: Nachwuchswissenschaftler, -politiker und -schauspieler. Aufstrebende Musiker, Künstler und Gründer. Was ist aus ihnen geworden? Welche Träume haben sich erfüllt, und was kam anders als gedacht? Drei von 100 haben für uns Resümee gezogen.

"Das erste Treffen mit Bill Gates werde ich nie vergessen"

ZEIT Campus ONLINE: Herr Madisch, an welchen Moment der letzten Jahre denken Sie besonders gern zurück?

Ijad Madisch: Den Tag, an dem ich mich zum ersten Mal mit Bill Gates traf. Ich erinnere mich an jedes Detail: Wie der Fahrstuhl aussah, in dem wir standen. Wie der Burger, den wir für unser Meeting in sein Hotelzimmer bestellt haben, geduftet hat. Wie wir vergessen haben zu essen, weil wir uns so angeregt unterhalten haben und wie er sich entschieden hat, in ResearchGate zu investieren.

ZEIT Campus ONLINE: ResearchGate zählt inzwischen zu den wichtigsten Start-ups der Welt.  Hatten Sie mit so viel Erfolg gerechnet?

Madisch: Eine gesunde Grundarroganz und vor allem den Optimismus hatte ich schon immer. Trotzdem denke ich oft an die Zeit zurück, als viele Menschen uns noch für unsere Idee belächelten: "Wissenschaft hat sich in hundert Jahren nicht verändert – warum glaubst ihr, dass es euch gelingt?"

ZEIT Campus ONLINE: Also ist alles gekommen, wie Sie dachten?

Madisch: Na ja, nicht alles. Vor sieben Jahren war ich noch Arzt und dachte, das Start-up mache ich so nebenbei. Von wegen. Und privat lief auch nicht immer alles glatt: Ich bin 2010 von Boston nach Berlin gezogen, um gemeinsam mit meinen Freunden ResearchGate aufzubauen und mit meiner damaligen Freundin zusammenzuziehen. Das eine hat geklappt, das andere nicht: Kurz nach meiner Ankunft in Deutschland haben meine Freundin und ich uns getrennt.

ZEIT Campus ONLINE: Was hat der Erfolg verändert?

Ijad Madisch, 35, arbeitete nach dem Medizin- und Informatikstudium als Arzt in Hannover. Nebenbei gründete er mit zwei Freunden das Start-up ResearchGate, eine Art Facebook für Wissenschaftler. © Gene Glover/ResearchGate

Madisch: Ich treffe meine Familie viel weniger. Früher bin ich jedes Wochenende zu meinen Eltern gefahren. Ich habe mich auf Prüfungen vorbereitet, meine Mutter hat meine Wäsche gewaschen. Jetzt sehen wir uns nur noch selten, schreiben aber viel bei WhatsApp oder telefonieren.

ZEIT Campus ONLINE: Sind Sie noch derselbe wie 2010?

Madisch: Ich musste lernen, Verantwortung abzugeben. Sonst hätte das Start-up niemals so wachsen können. Anfangs habe ich alles selber gemacht: die Produktentwicklung, die technische Umsetzung, unsere Pressearbeit. Mit der Zeit habe ich akzeptiert, dass mein Weg nicht unbedingt immer der einzig perfekte ist und dass ich anderen die Aufgaben anvertrauen kann.

ZEIT Campus ONLINE: Und was kommt als Nächstes?

Madisch: Ein Turnier in Cottbus. Seit 2013 hänge ich mich beim Beachvolleyball voll rein. Mein Teampartner Steffen und ich trainieren sechs Mal die Woche und spielen inzwischen A-Turniere, vergleichbar mit der dritten Bundesliga beim Fußball. Diese Saison will ich bei so einem Turnier unter die besten vier Teams kommen. Solche neuen Herausforderungen brauche ich – im Job und privat: Niemals einrosten.

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