Cederström und Spicer beschreiben, wie sich auch Arbeitgeber diese Form der Nötigung angeeignet haben. Amazon-Arbeiter der ersten Stunde "sind trotz ihrer prekären Situation verpflichtet, ihre Gefühle zu verbergen und ein zuversichtliches, beschwingtes, vermittelbares Ich zu spielen." All das führt zur Frage: Für wen fühlen wir uns wohl?

Die Wohlfühl-Ideologie ist ein Symptom einer breiteren politischen Krankheit. Die Bürden von Arbeit und Arbeitslosigkeit, die Kolonialisierung aller öffentlichen Flächen durch privates Geld, der prekäre Alltag und die wachsende Unmöglichkeit, sich in Gemeinschaften zu organisieren, führt dazu, dass jeder für sich versucht, zu überleben.

Wir sollen glauben, dass Arbeit allein unser Leben verbessern kann. Chris Maisano argumentiert, dass "individualistische und therapeutische Antworten auf die Probleme unserer Zeit nicht schwer zu begreifen sind. Aber nur wenn wir Gemeinschaften bilden, vertrauen wir wieder in unsere kollektiven Fähigkeiten, die Welt verändern zu können".

Ähnlich beruhigend war einmal der Gedanke: Die Entbehrungen dieser Existenz werden eines Tages im Himmel belohnt.

Die Wellness-Ideologie begegnet diesem sozialen Wandel in zwei wesentlichen Punkten. Erstens überzeugt sie uns davon, dass es kein wirtschaftliches Problem ist, wenn wir krank, traurig und erschöpft sind. Es gibt so gesehen keine strukturelle Ungleichheit. Individuen haben sich falsch angepasst, und das erfordert eine individuelle Antwort. Wenn du dich miserabel oder verärgert fühlst, weil dein Leben ein ständiger Kampf gegen Armut und Vorurteile ist, dann bist du das Problem. Die Gesellschaft ist nicht verrückt oder kaputt: Du bist es.

Zweitens hindert sie uns daran, eine breitere, kollektive Reaktion auf Armut, Ungerechtigkeit und die kriselnde Arbeitswelt zu finden. Das ist die Logik, die von Produktivitätsgurus wie Mark Fritz offengelegt werden. Er versucht uns im Buch The Truth About Getting Things Done weiszumachen:

"Das größte Hindernis zum Erfolg, den du dir in deinem Leben wünschst, ist niemals jemand anderes oder die Umstände, denen du begegnest. Dein größtes Hindernis bist fast immer du. (...) Dr. Maxwell Maltz, Autor von Psychokybernetik (Anm.: klingt doch cool), fasst es am besten zusammen. Er sagt: 'In dir liegt die Macht, Dinge zu tun, die du dir nie erträumt hättest. Die Macht wird dir zugänglich, sobald du deine Überzeugungen änderst.'"

Das ist natürlich eine riesige Lüge – eine verführerische. Alles, was du brauchst, um dein Leben zu ändern, sind ein paar Mantras und ein Terminkalender. Ähnlich beruhigend war einmal der Gedanke: Die Entbehrungen dieser Existenz werden eines Tages im Himmel belohnt.

Es gibt einen Grund, warum die Wohlfühlpraktiken so gut strukturiert sind wie Kulte (tu dies und du wirst gerettet; tu dies und du bist sicher): Sie sind ein Glaubensritual. Marx' Metapher von Religion als Opium des Volkes wurde oft missverstanden. Zu seiner Zeit war Opium keine Droge, sondern ein Schmerzmittel. Eine Linderung, wenn der Kampf ums Überleben unerträglich wurde.

Nachdem die Wohlfühl-Sprache vor allem von der politischen Rechten bedient wird, ist es nicht verwunderlich, dass fortschrittliche, liberale und linke Gruppen begonnen haben, totale Hoffnungslosigkeit zum Fetisch zu machen. Positives Denken wurde ziemlich uncool. Amerikanische Punks beschreiben es verächtlich als "posi", eine Abkürzung für "positiv". Die Briten dagegen sagen dazu "amerikanisch". Wie auch immer man es nennen will, es fühlt sich wie Aufgeben an.

Wenn man vor lauter Anpassung zu müde und ausgebrannt ist, um diesen Zustand zu bekämpfen, ist es besonders bitter, gesagt zu bekommen, dass man mehr lächeln und Vollkornprodukte essen soll.

In einem großartigen Essay auf Open Democracy schreibt die Aktivistin Chloe King:

"Deine Einstellung zu ändern, wird keine strukturelle Ungerechtigkeit oder ein gescheitertes, unnachhaltiges Wirtschaftssystem verändern, das nur den Eliten dieser Welt dient und den Rest ausbeutet, vor allem die Arbeiterklassen und Armen. Ich meine, dass positives Denken dein Leben ruinieren wird. 'Denk positiv' ist der Vorgänger von 'Wird schon', doch die bittere Realität ist: Es wird nur viel, viel schlimmer für unsere Schwächsten."

Da ist etwas Wahres dran. Was aber auch wahr ist: Ich kenne viele junge Leute, die ihr Leben nicht im Griff haben. Leute, deren Problem nicht ist, dass sie nicht genug Spargelwasser trinken, sondern dass sie nichts anderes trinken als abgestandenen Wein aus Plastiktüten. Doch es waren ebenjene, die an den Studentenprotesten und Besetzungen zwischen 2010 und 2012 beteiligt waren und erfuhren, wenn auch nur kurz, wie es ist, ein ganz anderes Leben zu führen. Was es bedeutet, Teil einer Gemeinschaft mit gemeinsamen Zielen zu sein, wobei gegenseitige Unterstützung ganz oben stand. Was es bedeutet, eine kurze Verschnaufpause aus dem individuellen Streben zu erleben und ein alternatives Gesellschaftsmodell aufzubauen. Die einsame Arbeit, sich um sich selbst zu kümmern, während man darauf wartet, dass sich die Welt verändert, ist dagegen ein schwacher Ersatz. Wenn man vor lauter Anpassung zu müde und ausgebrannt ist, um diesen Zustand zu bekämpfen, ist es besonders bitter, gesagt zu bekommen, dass man mehr lächeln und Vollkornprodukte essen soll.

Wenn die Moderne uns beibringt, uns erst zu verausgaben und dann schnelle Problemlöser verkauft, wird man uns verzeihen, an der Kasse zurückzuschrecken. Die ängstliche Jugend scheint die Wahl zu haben zwischen verzweifeltem Narzissmus und niederschmetterndem Elend. Was ist besser? Das ist keine rhetorische Frage. Einerseits bringen mich die Instagram-Gurus dazu, dass ich mich in Grünkohl-Smoothies ertränken möchte. Andererseits bin ich es leid, den klügsten Menschen, die ich kenne – den Kämpfern und Künstlern und verrückten radikalen Denkern, die die Welt wirklich verbessern könnten – dabei zuzusehen, wie sie sich selbst und andere dafür fertigmachen, dass jeder andere Lebensstil als ihr eigener gegenrevolutionär ist.

Deshalbe gebe ich zu, dass ich seit zwei Jahren Yoga mache.

Doch es gibt auch linke Kritik an der Theorie, dass Selbstliebe eine neoliberale Verschwörung ist. Schließlich diskreditiert es Praktiken, die zum Beispiel Frauen und Queers zu ihrem eigenen Überleben pflegen. "Ich höre immer wieder, dass Feminismus als Form der Selbstliebe niedergemacht wird", schreibt die Professorin Sara Ahmed von Goldsmiths, University of London. Mir geht es ähnlich. Ich kenne linke Männer, die antisexistische, antirassistische Praktiken als hoffnungslos individualistisch abtun, während sie selbst jede Form von Selbstsorge und die Sorge um andere verweigern. Dabei ist das genau die Arbeit, die uns lebendig und gesund hält. Und nicht nur das: Es ist Frauenarbeit, die bei diesen Männern offenbar nichts zählt, bis deren Leben auseinanderfällt, weil sie auf die Revolution warten oder auf ein Mädchen, das die Scherben aufräumt.

Die Linke hat ein besonderes Talent darin, sich kontraproduktiv in Theorien zu verlieren. "Neoliberalismus überlagert alles, wenn jede Form der Selbstliebe zu Symptomen des Neoliberalismus erklärt wird", schreibt Ahmed. "Wenn feministische, queere und antirassistische Arbeit, bei der wir unsere Gefühle teilen, unsere Verletzungen und unsere Trauer, bei der wir anerkennen, dass Machtverhältnisse uns bis ins Knochenmark berühren, wenn wir das Neoliberalismus nennen, dann läuft etwas falsch. (...)"

Deshalb gebe ich zu, dass ich seit zwei Jahren Yoga mache und es mein Leben auf eine Weise verändert hat, dass es mir fast wieder unangenehm ist. Ich habe mir durch leidenschaftliche Übungen auf und jenseits der Matte beigebracht, genug innere Stärke zu finden und nicht laut loszulachen, wenn die Übungsleiterin am Ende der Stunde sagt: "Lasst das Licht in mir das Licht in dir ehren." Die Übungsleiterin ist eine sehr nette Person, die ständig wie eine betrunkene Kindergärtnerin lächelt und mich vermutlich allein mit ihren Bauchmuskeln töten könnte. Daher habe ich aufgehört, ihr zu erzählen, dass das Licht in mir manchmal ein brennendes Regierungsgebäude ist.