Das Bett steht im Flur bei den Spinnen, vier Wochen soll sie allein auf die Kinder aufpassen. Für 260 Euro im Monat. Das Protokoll einer Au-pair, die nach Deutschland kam

Name: anonym
Alter: 23
Position: Au-pair
Unternehmensgröße: vier Personen in der Familie

Meine erste Familie habe ich dank privater Kontakte gefunden, über Facebook haben wir alle Details abgesprochen. Mit den paar hundert Euro, die ich angespart hatte, ging es los. Das große Abenteuer meines Lebens, dachte ich.

Schon zwei Monate später musste ich die Familie wechseln. Mein Bett, wenn man es denn so nennen möchte, stand im Flur. Überall waren da Spinnen, total ekelhaft. Im Vertrag waren mir aber ein eigenes Zimmer und 260 Euro versprochen worden. Geld habe ich auch keins bekommen. Zumindest nicht von der Familie als direkten Lohn für meine Arbeit als Au-pair. Sie haben mir statt eines Lohns nur angeboten, in ihrem mexikanischen Restaurant zu arbeiten. Also habe ich eigentlich doppelt gearbeitet, aber nur einen Lohn bekommen.

Zehn Stunden am Tag

Zuerst hat es mir bei der zweiten Familie ganz gut gefallen, 300 Euro habe ich für meine Arbeit bekommen und hatte viel Freizeit. Ich habe im Ankleidezimmer geschlafen, schon mal etwas besser als vorher. Das hat aber auch nicht gepasst, die hatten nämlich schon ein Au-pair. Und zwei waren ihnen dann doch zu viel.

Danach wohnte ich in einem kleinen Ort vor den Toren einer Millionenstadt. Dort war nichts los, keine Menschenseele auf der Straße, so oft es geht, fuhr ich zu meiner Freundin in die Stadt. Wenigstens das Bahnticket bezahlte mir meine Gastfamilie.

Ansonsten fühlte ich mich von meiner Familie ausgebeutet. Maximal sechs Stunden am Tag darf ich arbeiten, so steht es im Vertrag. Auch Essen und ein eigenes Zimmer wurden mir darin versprochen. Ich arbeitete aber viel mehr, rechnet man alles zusammen, bestimmt zehn Stunden jeden Tag, manchmal mehr. Und dafür bekam ich nur 260 Euro im Monat. Das ist die absolute Untergrenze für Au-pairs.

Richtiges Essen gab es bei uns nicht, der Kühlschrank war fast leer, nur Butter und Salami aß ich. Alles andere hätte ich mir selbst kaufen müssen. Mit den 260 Euro ging das nicht. Manchmal sollte ich dann für die ganze Familie kochen, es waren aber keine Lebensmittel da. Dann gibt es eben kein Essen für alle, dachte ich mir.

Einmal kam ich ein paar Minuten zu spät, habe mich direkt entschuldigt und auch vorher Bescheid gesagt. Meine Gasteltern haben mich fertiggemacht, mich angebrüllt: "Das war deine letzte Chance, wir schicken dich zurück!" Im nächsten Moment waren sie wieder superfreundlich und luden mich ein, meine Freundin mitzubringen.

Vier Wochen alleine

Ich fand das ungerecht. Ich arbeitete so viel, musste alle durch die Gegend fahren, Wäsche falten, putzen, auf den Hund aufpassen, manchmal kochen. Fast rund um die Uhr betreute ich die Kinder, bedankt haben die sich noch nie bei mir. Ziemlich frustrierend. Im August wollten meine Gasteltern in den Urlaub fahren, vier Wochen lang sollte ich komplett alleine auf die Kinder aufpassen, die waren sieben und neun Jahre alt.  

Eine Freundin von mir hat 1.000 Euro im Monat verdient, sie musste aber auch alles selbst bezahlen: den Deutschkurs, die Klamotten, das Essen. Wie viel man als Au-pair verdient, hängt sehr von der Familie ab. Ich habe kein Glück gehabt.

Und ich spreche nicht nur für mich, vielen anderen Au-pairs geht es sehr schlecht. Ich wurde vor gerade von meiner Gastmutter rausgeschmissen, wohne jetzt bei meiner Freundin in der nächstgrößeren Stadt. Wie man unsere Situation hier verbessern kann? Ich weiß es nicht. Vielleicht müssen die Leute einfach mal verstehen, dass wir interessierte Menschen aus einem anderen Land sind und keine Sklaven.