Für dieses Gericht wird Reis gekocht, bis er zerfällt und alles darauf geworfen, was sich noch im Kühlschrank findet. Denn bissfester Reis ist nichts für Verkaterte.

Asia-Lieferdienste verdanken ihre Existenz zu einem nicht geringen Teil verkaterten Menschen, die sich zwar vom Bett zum Sofa geschleppt haben, um Netflix einzuschalten, den Gang zum Supermarkt aber nicht antreten können. Nicht anders ist es zu erklären, dass so viele mittelmäßige scharfe Thaicurry und süß-saure Enten auf Motorrollern durch die Stadt gefahren werden.

Dabei könnte man die mit Warten und Netflix totgeschlagene Zeit nutzen, um etwas zu kochen, das günstiger ist und besser schmeckt als lauwarmes Curry. Zum Beispiel dieses Gericht. Es heißt Congee und besteht aus drei Zutaten: Wasser, Reis, Salz. Ursprünglich stammt Congee aus China, wo man ihm eine Stimulation der Lebensenergie nachsagt, ideal also für den Kater.

Entdeckt habe ich es auf einer Japanreise. Dort gehört es zum Alltag, hier könnte es als neues Detoxsuperfood bald groß rauskommen. Congee hat die Konsistenz von Porridge, was vielleicht der Grund ist, warum ihn Asiaten zum Frühstück essen. Theoretisch schmeckt er auch in der süßen Version, mit weniger Salz und Ahorn- oder Dattelsirup, Nüssen oder frischen Beeren. In Tokio stand er auf der Mittagskarte eines Hipstercafés, als herzhaftes Hauptgericht mit getrockneten Algenblättern und bonbonpinken Fischwürstchen. Das nächste Mal aß ich ihn – natürlich – in Berlin, die Drei-Happen-Portion zu fünf Euro.

Man kann auch mit Kater nichts falsch machen.

Zuhause kostet das Gericht praktisch nichts und ist zudem sehr wandlungsfähig. Traditionell ist die Grundlage Basmatireis, ich bevorzuge Jasminreis. Wer mag, fügt dem gekochten Reis einige Scheiben Serrano-Schinken hinzu oder, falls vorhanden, frischen Schnittlauch, Koriander oder Thaibasilikum. Auch geriebener Ziegenkäse passt dazu. Fast schon eine Mahlzeit wird daraus mit gerösteten Pinienkernen und Sesamöl.

Wann ist ein Congee fertig? Kurz bevor die einzelnen Körner völlig aus der Form fallen. Im Gegensatz zum Risotto, bei dem man darauf achten muss, dass der Reis bissfest bleibt, wird der Reis beim Congee zerkocht. Man kann also auch mit Kater nichts falsch machen und es dauert so lange, dass man sich in der Zwischenzeit noch mal hinlegen kann. Besser als auf eine Ente zu warten ist das allemal.

Congee (Chinesischer Reisporridge)

Zutaten für eine Person:

  • 80 Gramm Jasmin- oder Basmatireis
  • etwa 800 Milliliter Wasser
  • eine großzügige Prise Salz
  • nach Belieben: Sesamöl, frische Kräuter, geräucherter Schinken, Ziegenfrischkäse, geröstete Pinienkerne oder alles, was noch im Kühlschrankfach des Mitbewohners liegt

Den Reis unter fließendem Wasser abspülen, dann in einem Topf mit Wasser und Salz zum Kochen bringen. Auf kleinster Flamme mindestens zwei, besser bis zu vier Stunden köcheln lassen. Mit den gewünschten Zutaten servieren und die nächste Folge bei Netflix starten.