Und was willst du damit dann mal machen? Drei Antworten von Menschen, die zeigen, dass das Fach gar nicht so wichtig ist

Musikdidaktik, Byzantinistik oder Popmusikjournalismus – immer mehr Nischenstudiengänge geben Einblick in immer kleinteiligere Themengebiete. Manfred Prenzel, Vorsitzender des Wissenschaftsrates, warnte vergangenes Jahr vor einer zu starken Spezialisierung, damit wären die Jobchancen hinterher gering. Auch Eltern und Freunde machen nicht unbedingt Mut, wenn man sein Studienfach "Phonetik" schon wieder erklären oder auf die Frage antworten muss, was man denn bitte schön damit vorhabe.

Ja, Nischenstudierende haben es wirklich nicht leicht. Dabei zeigen unsere drei Geschichten: Gute Noten, Arbeitserfahrung, sicheres Auftreten und ein bisschen Glück mit dem Vorgesetzten öffnen sämtliche Türen. Und lassen die Wahl des Studienfachs plötzlich gar nicht mehr so wichtig erscheinen.

Wenn also in vielen Fällen – abgesehen von Jura, Medizin und Co. – sowieso meist offensteht, was danach kommt: Wäre doch schön, die Jahre an der Uni mit einem Studium zu verbringen, das wirklich Spaß macht. Alles Weitere ergibt sich.

Sherin, 25, vom Phonetikstudium zur Personaldienstleisterin für IT-Experten:

"Um zuerst einmal meinen Beruf zu erklären, weil sich viele unter dem Begriff nichts vorstellen können: Wenn ein Unternehmen für seine IT-Abteilung Spezialisten sucht, werden die meistens nicht fest angestellt, sondern frei beschäftigt. Mit der Suche nach passenden Leuten für so eine Stelle werden Firmen beauftragt und das ist mein Job. Ich mache eine Art Headhunting für IT-Spezialisten und vermittle sie an Kunden wie BMW oder Douglas.

Studiert habe ich allerdings etwas ganz anderes – nämlich Phonetik und Sprachsignalverarbeitung. Während des Bachelors habe ich nebenbei bei einer Sprachtherapeutin und -trainerin gearbeitet. Dort habe ich auch Einblicke in das Sprechtraining für Manager bekommen. 
Die Geschäftswelt und die Verknüpfung innerhalb der Unternehmen habe ich weder im Studium noch im Berufsleben davor erlebt. Hier geht es darum, mitzuspielen, Einfluss auf die Wirtschaft zu haben und viele Unternehmen kennenzulernen. Als Sprechtrainerin hat man das Tagesgeschäft nur am Rande erlebt. Um ein guter Trainer zu sein, musst du zuerst Spieler gewesen sein.

Unter meinen Arbeitskollegen bin ich unter den wenigen Quereinsteigern, größtenteils haben meine Kollegen BWL studiert. Alles, was ich für den Job brauche, habe ich mir selbst angeeignet und während der Arbeit gelernt: vor allem die kaufmännische Erfahrung.

Mein Ziel ist es, nach zehn bis fünfzehn Jahren Berufserfahrung ein eigenes Coachingunternehmen zu haben und dort Personaldienstleistern alles Wichtige über Kommunikation zu vermitteln – wie man etwas verkauft, wie man verhandelt, wie man Kandidaten anwirbt und Präsentationen hält.


Maria, 31, von der Europäischen Ethnologie zur Brand Managerin und Freelancerin:

"Ich habe neben Ethnologie auch Sozialwissenschaften studiert und das hilft mir bis heute in meinem Job – vor allem, wenn es darum geht, Kampagnen auszuwerten oder eine Zielgruppenanalyse zu erstellen. Das Studium hat mir das Werkzeug in die Hand gegeben, recherchieren lernen, sich mit Gesellschaftsthemen auseinandersetzen oder Datenbanken lesen. Alles andere habe ich im Beruf gelernt.

Neben dem Studium hatte ich schon immer viele Jobs, unter anderem habe ich das Merchandising auf der Deichkind-Tour gemacht und in etlichen Bars gearbeitet. So entstehen viele Kontakte, vor allem in die Musikszene. Nach dem Studium habe ich mich beim Voo Store in Berlin auf eine Assistenzstelle beworben. Dort hat mich niemand auf mein Studium angesprochen, ich wurde nur gefragt, ob ich Excel kann, fleißig bin und gerne texte. Dort war ich dann das Mädchen für alles, durfte aber auch Events organisieren – nach der Deichkind-Tour wusste ich schon, worauf man achten muss und wie Veranstaltungen funktionieren. Zudem habe ich einige Managementaufgaben übernommen – das hat mir wiederum im nächsten Job geholfen: Projektmanager beim Berlin Festival. Alle Jobs, die danach kamen, haben irgendwie aufeinander aufgebaut. Ich habe zwar viel gewechselt und einige Freunde meinten zu mir, ich sollte einmal ruhiger werden, aber ich habe diese Phase weiterhin als Ausbildungszeit gesehen.