Ist das chinesische Abitur das härteste der Welt? Siqin musste täglich bis Mitternacht lernen und gehörte doch nicht zu den Besten.

Siqin ist einer von neun Millionen Schülern, die im vergangenen Jahr die große Abschlussprüfung in China abgelegt haben:

"Endlich vorbei. Keine nächtliche Paukerei mehr, kein unaufhörlicher Druck. Seit ich meinen Schulabschluss gemacht habe, liegt das alles hinter mir. Vermissen tue ich es nicht.

Schon in der Grundschule ging der Druck los. Damals habe ich noch gar nicht verstanden, warum eigentlich. Irgendwann ist es dann auch bei mir angekommen: Alles dreht sich für Kinder in China nur um die Abschlussprüfung am Ende der zwölften Klasse. Die entscheidet darüber, auf welche Universität wir gehen können. Ich bin in Bengbu in Anhui zur Schule gegangen. Die ostchinesische Provinz ist eine der ärmsten Regionen des Landes. Und weil es so viele Schüler in der Provinz gibt, aber nur wenige Uniplätze, ist der Druck noch einmal höher als beispielsweise in Shanghai oder Beijing. Allein in meiner Klasse waren mehr als 60 Schüler.

Meine Eltern waren sehr streng mit mir. Die Schule begann morgens um halb acht und dauerte bis halb neun abends. Danach musste ich meist noch bis Mitternacht Hausaufgaben machen, die meine Eltern jeden Tag kontrollierten. Und am Wochenende hatte ich zwar keinen Unterricht, dafür aber Nachhilfe in mehreren Fächern. 


Meine Mutter hat mir jeden Tag besonders gesunde Sachen gekocht und versucht, mir zusätzlich so viele Nahrungsergänzungsmittel wie möglich zu verabreichen. Damit ich morgens pünktlich in der Schule ankam, haben mich meine Eltern außerdem jeden Morgen zur Schule gefahren. Wir wohnten nur zehn Minuten entfernt, aber meine Eltern bestanden darauf.

Ich habe meinen Abschluss in Mathematik, Chinesisch, Englisch, Physik, Chemie und Biologie gemacht. In Mathematik war ich besonders schlecht. Dazu kam, dass ich auf eine der besten Schulen der Stadt gegangen bin. Meine Eltern haben mich da irgendwie reingekriegt.

Keine Zeit für Freundschaften

Mein Vater arbeitet bei der chinesischen Volksbefreiungsarmee als Offizier. Aber selbst das hat mir nichts gebracht. Alle meine Klassenkameraden waren besser als ich. Mir war früh klar, dass ich keine guten Noten haben würde. Aber meine Eltern wollten das nicht wahrhaben.

Einmal habe ich endlich mal wieder mit meinen Freunden nach der Schule etwas unternommen. Ich habe meinen Eltern ein kleines Video geschickt, weil es so ein schöner Abend war. Mein Vater hat mich dann angerufen und stundenlang angeschrien. Ich könne nicht so viel Zeit in meine Freundschaften investieren. Ob ich denn selbst nicht wollen würde, dass etwas aus mir wird. Und warum ich nicht so hart arbeiten würde, wie die anderen.