Horrortrip auf LSD, kompletter Kontrollverlust auf Ketamin und irrationale Angst auf Cannabis: Drei Konsumenten erzählen von ihren beängstigenden Rauscherfahrungen.

Jonas nahm LSD, obwohl er sich eigentlich nicht wohlfühlte. Paul hatte schon Erfahrung mit Ketamin, aber nahm unvorbereitet eine viel höhere Dosis als er gewohnt war. Und Christina hatte eine schlechte Drogenerfahrung auf Cannabis, wahrscheinlich, weil es ihr psychisch nicht gut ging.Sie erzählen von ihren sogenannten Bad Trips: Was passiert, wenn der Konsum schief geht? Und was macht der Körper, während die Droge Überhand nimmt?

Außerdem haben wir einen Arzt und Chemiker gefragt, warum es den Konsumenten so ergangen ist. Thomas Polak arbeitet am Uniklinikum Würzburg in der Klinik für Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie und am Interdisziplinären Zentrum für Suchtforschung Würzburg. Er erklärt, woher die Symptome der Konsumenten gekommen sein könnten.

Jonas*, 31, erzählt von seinem Bad Trip auf LSD. Er hat mit verschiedenen Drogen Erfahrung (Cannabis, MDMA, Ketamin, Kokain, LSD).

Ich war alles andere als unerfahren, als ich den schlimmsten Trip meines Lebens hatte. Es passierte, als ich das siebte Mal LSD nahm. Alle Trips davor waren großartig. Ich würde immer noch sagen, dass LSD die beste Droge überhaupt ist. Ich hatte Momente, in denen ich Dinge anders wahrgenommen, besser verstanden habe. Ich habe mir vor jedem Trip eine Frage gestellt, oder die Erfahrung einer Person gewidmet. Zum Beispiel habe ich einmal versucht, mich in meine Mutter hineinzuversetzen, ich habe alles aus ihrer Sicht beobachtet. Das hat mir oft weit über den Trip hinaus geholfen.

Bis zu diesem Abend war ich eigentlich ein sehr gewissenhafter Drogenkonsument, ich habe mich immer gut vorbereitet. Es war mir wichtig, LSD nur in der richtigen Atmosphäre zu nehmen: lieber in der Natur und mit wenig Leuten als mitten auf einer Party. Ich habe dafür gesorgt, dass ich genug zu trinken dabei habe, auch Decken und Musik. Ich wollte auf jede Empfindung vorbereitet sein.

Thomas Polak: "Es ist schwierig, sich auf alles vorzubereiten, was während des Trips geschieht. Die Umgebung und die eigene Verfassung können das Erlebnis stark beeinflussen."

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Auch auf unangenehme Erscheinungen habe ich mich eingestellt. Ich wusste, dass man manchmal Dinge sehen kann, die einem Angst machen. Das war bei zwei meiner Trips so und ich wusste, wie ich damit umgehen musste: Wenn mir das bei meinen Trips passiert ist, habe ich gesagt: "Hallo Monster, ich weiß, dass du da bist, und das ist okay, jetzt werde ich aber etwas anderes tun." Das war dann sogar ein gutes Gefühl.

Aber bei meinem siebten Trip im September 2015 habe ich mich an nichts davon gehalten – und es war die Hölle. Ich war mit vier, fünf Leuten unterwegs zum Feiern und hatte gar nicht vor, etwas zu nehmen. Dann hatte aber einer etwas dabei und bot eine Runde an. Ich kannte ihn nicht so gut, aber hatte Lust darauf. Ich bin Musiker und ich hatte gerade eine stressige Phase mit meinen Projekten, deshalb habe ich mich nach Ablenkung, Leichtigkeit und Bewusstseinserweiterung gesehnt. Also machte ich mit.

Es fing schon ein bisschen anders an als sonst. Normalerweise wird meine Wahrnehmung so ganz langsam schärfer und gleichzeitig weicher. Dann sehe ich etwa die Blätter von einem Baum wie durch eine Lupe. Diesmal ging es viel schneller, ich habe ganz plötzlich angefangen vor mich hinzukichern. Es ist so rausgesprudelt. Das war noch witzig. Ich fühlte mich kurz euphorisch, aber merkte, wie ich die Kontrolle verlor. Wir waren zu dem Zeitpunkt noch bei meinem Kumpel in der Wohnung und haben die Musik voll aufgedreht. Es war irgendwas Poppiges – gar nicht mein Fall normalerweise. Diese Musik hat mich noch nervöser gemacht. Mein Zeitgefühl war jetzt schon weg. Irgendwann hat einer vorgeschlagen, weiterzuziehen. In einen Club mit guten Lichteffekten.