Paul*, 31, beschreibt seinen Rausch auf Ketamin. Seine erste harte Droge waren Amphetamine, seitdem hat er eigentlich alles schon ausprobiert.

Ich hatte vorher schon mehrmals Ketamin genommen, in unregelmäßigen Abständen von einem halben Jahr, weil es schwer ist, welches zu bekommen. Ich hatte jedes Mal nur positive Erfahrungen gemacht: Mal kurz abtauchen, gelöster feiern. Gleichzeitig war die Wirkung nie überwältigend. Bis zu dieser Silvesternacht 2015.

Wir feierten in kleiner Runde bei einem Freund, wir waren schätzungsweise 15 Leute. Im Laufe des Abends hatte ich schon ein wenig Ketamin genommen. Daher wusste ich, dass wir sehr reines, aber auch starkes Pulver da hatten. Irgendwann nach dem Feuerwerk reichte mir jemand eine große Portion. Ich wusste, dass das ungefähr das Doppelte von dem war, was ich normalerweise nehme. Aber ich hatte Lust, meine Grenzen zu testen. Ich bat eine gute Bekannte, auf mich aufzupassen und zog die Line.

Ketamin wirkt schnell. Nach ein paar Minuten fühlte ich mich, als wäre mein Körper in einen Stand-by-Modus. Ich konnte nicht mehr gerade sitzen und musste mich hinlegen. Mein Kopf wurde dumpf, als hätte jemand eine Käseglocke über mich gestülpt.

Ich habe mir über nichts mehr Gedanken gemacht, schlummerte in mir selbst. Das war sogar angenehm. Gespräche mit anderen waren unmöglich: Ich war unfähig, klar zu denken, geschweige denn etwas Sinnvolles zu sagen. Es hat sich angefühlt, als wäre ich verblödet. Ich kannte das von früheren Ketamin-Trips, aber diesmal hatte ich zusätzlich den Eindruck, in einem Loch gefangen zu sein, aus dem ich nicht rauskomme. Die Welt um mich herum schien sehr weit weg. Man spricht ja vom sogenannten K-Hole (siehe Infokasten), danach war mir klar, was das ist.

Polak: "Ketamin ist eigentlich ein Narkosemittel, wird aber in klinischen Studien auch in der Depressionstherapie eingesetzt. In Frage kommen solche Heilversuche, wenn Patienten gar nichts anderes mehr hilft – wenn keine Psychotherapie und keine Medikamente mehr anschlagen oder wenn aus bestimmten Gründen die Elektrokonvulsionstherapie nicht durchführbar ist. Die Wirkung der Ketamininfusion ist nicht schlecht, leider jedoch bislang nicht anhaltend. Ganz genau verstehen wir nicht, woher das kommt. Während der Infusion fühlen sich die Patienten dagegen gar nicht gut. Viele haben Angst, dissoziieren, verlieren den Sinn für ihren Körper und ihre Umgebung. Was Paul als K-Hole beschreibt, entspricht ungefähr diesem Zustand. Für viele Patienten ist das sehr anstrengend."

Mein Verstand war wie abgeschnitten von meinem Körper. Ich konnte mich nicht bewegen. Zwischendurch wollte ich mich vom Bett aufrichten. Aber mein Körper führte den Befehl aus meinem Kopf nicht aus. Der Trip hat sich angefühlt wie eine Ewigkeit. Ich dachte, das hört gar nicht mehr auf. Die anderen haben mir gesagt, dass die Wirkung eine halbe bis Dreiviertelstunde angehalten hat. Ich selbst kann das nicht beurteilen.